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Riesen-Applaus für "Pädagogian Harmonists" / Prinzenhof-Saal bis auf den letzten Platz gefüllt

Wenn Pauker augenzwinkernd kokettieren...

Rinteln. Zum Designmuseum für Stühle und Sessel aus verschiedenen Epochen ist das Dachgeschoss im Rintelner Prinzenhof anlässlich der jüngsten "Kultur zur Teezeit" mit den "Pädagogian Harmonists" aus Hameln geworden: Der Saal war derart gefüllt, dass Mitarbeiter der Sparkasse aus allen möglichen und unmöglichen Eckenzusätzliche Sitzgelegenheiten herbeischaffen mussten.

Vom ersten Liede an wurden die einschlägigen Erwartungen des Publikums von den singenden Paukern aus der Rattenfängerstadt vollauf erfüllt. Die vier Herren auf der Bühne und der Mann am Klavier intonierten ein zauberhaft schmalziges "Frollein, pardon", ergingen sich inbrünstig und brünftig zugleich in der sinnlichen Vision "Ich hab' was Schönes erdacht/für heute Nacht" und machten ihre melodiösen Avancen an Anneliese, Veronika, Donna Clara und andere Damen. Da schmetterten die Tenöre bis in Falsett und Counter hinein, wohltönte der Bariton und brummte in erhabener Männlichkeit der Bass, dabei augenzwinkernd mit den vielfältigen Möglichkeiten des Geschlechterzirkus kokettierend. Endlich konnte man das umtriebige Repertoire der 78er Schellack-Platten mal ohne Knistern genießen, und wo da was rumpelte, eierte oder aus der Rille hopste, war auch das effektvoll einstudiert. Ziemlich schräge Akzente fast schon in Richtung Dadaismus klangen bei der Betextung zur Straußschen Pizzikato-Polka an und das anzügliche "Ein Freund, ein guter Freund" wurde mit so viel viriler Leidenschaft, mit Tremolo und Wimpernklimpern zelebriert, dass die geneigten Zuhörer geradezu frenetischen Beifall zollten. Natürlich galt auch der Bar zum Krokodil ("am Nil, am Nil") ein fröhlicher Abstecher und wie die Pädagogian Harmonists sich bei Frederic Chopin, bei Duke Ellington und dem Operettenkönig Franz von Suppé bedienten, war ebenfalls hörens- und auch sehenswert, denn auch mimisch boten die singenden Helden eine ganze Menge. Damit der Fan dieses Genres voll und ganz zufrieden ist, darf der kleine grüne Kaktus nicht fehlen, der den Schlusspunkt setzte. Applaus, Applaus - für die strahlenden Tenöre Udo Melloh und Carsten Winkler sowieso. Und natürlich auch für Bariton Dierk Rabian und Bass Jürgen Bissel, der sich in den Tiefen des Gesangs mit seinem Kollegen Walter Hedemann traf, über den der Beifall besonders kräftig zusammenschlug. Kein Wunder - wirkte dieser doch nicht nur zusätzlich als Mann am Klavier, sondern zeichnete auch für diverse Texte und Arrangements verantwortlich. Und bevor jetzt jemand nachfragt: Jawoll, dieser Hedemann ist identisch mit jenem Walter Hedemann, der in den 60er und 70er Jahren so viele Akzente für die deutsche Kleinkunstszene setzte.

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