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Neue Ausstellung der Geschichtswerkstatt der Herderschuleüber das Schicksal der Zwangsarbeiter in Schaumburg

Wegweiser zeigen: Der NS-Terror war auch hier zuhause

Bückeburg (rc). "Wenn wir sie vergessen, sterben sie ein zweites Mal - Wegweiser auf den Spuren von Zwangsarbeit in Schaumburg und Petershagen / Lahde". Das ist der Titel einer Ausstellung, die die Geschichtswerkstatt der Herderschule erarbeitet hat und die sie ab kommenden Donnerstag, 16. Februar, in der Pausenhalle der Herderschule am Unterwallweg zeigen wird. Bis Freitag, 24. Februar, kann die Ausstellung während der Schulzeit von 8 bis 13 Uhr besichtigt werden.

Zeitgleich ist auch die zur Ausstellung gehörende Begleitdokumentation veröffentlicht worden. Sie trägt den gleichen Titel wie die Ausstellung und ist zum Einzelpreis von fünf Euro im Sekretariat der Herderschule oder aber bei den Bückeburger Buchhandlungen Scheck und Frommhold erhältlich. Wie der Leiter der Geschichtswerkstatt, der Lehrer Klaus Maiwald, mitteilte, sind Ausstellung und Begleitdokumentation das Resultat jahrzehntelanger Forschungsarbeiten von Schaumburger Schülergruppen aus Helpsen, Obernkirchen und Bückeburg. Pionierarbeit leistete Friedrich Winkelhake, der in den 1980er Jahre die Alltagsgeschichte der NS-Zeit vor Ort mit Jungen und Mädchen aus Helpsen untersucht und mit seinen Ergebnissen die Grundlage für die Aufklärungsarbeit dieser Epoche geschaffen hat. Die Helpser Dokumentationen brachten eindrucksvoll ans Tageslicht, was in den Nachkriegsjahren verdrängt, verklärt oder verschwiegen worden war. "Der Landkreis Schaumburg war eben auch eine Region, in der der NS-Terror präsent war", so Maiwald. Friedrich Winkelhake ist deshalb auch der "Wegweiser" gewidmet. Friedrich Winkelhake gabüber den Kreisjugendring Schaumburg 1986 einen alternativen Heimatführer zu den Stätten des Naziterrors in Schaumburg und Umgebung heraus, der auf der Grundlage der Spurensuche der Helpser Schülergruppen basierte. Eine Neubearbeitung 1988 konkretisierte die ersten Forschungsergebnisse. Bereits seit 1983 gab es seitens der Helpser Schule Anträge an den Landkreis Schaumburg, Gedenktafeln an den Stätten des NS-Terrors aufzustellen, jedoch ohne Erfolg, erinnert sich Maiwald. Erst Schülergruppen aus Obernkirchen, dann vor allem die Mitglieder der Geschichtswerkstatt der Herderschule Bückeburg, die immer wieder die Gedenktafeln einforderten, konnten die zuständigen Institutionen für das Aufstellen der längst überfälligen Gedenktafeln gewinnen. Zwölf Jahre nach dem erstenSchülerantrag wurde 1995 eine Tafel auf dem "Russenfriedhof" Am Horn in Rehren aufgestellt. 14 Jahre nach dem ersten Antrag setzten drei Mädchen der Herderschule Bückeburg im Jahr 1997 eine Informationstafel für die Zwangsarbeiter des Steinbruchs Steinbergen auf dem reformierten Friedhof in Bückeburg durch. Geschichtswerkstatt und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ersetzten diese im September 2005 durch eine ausführlichePulttafel. Seit 1983 dauerte es 17 Jahre bis zur Errichtung einer Gedenkstätte für die Zwangsarbeiter im Steinbruch Steinbergen im Jahr 2000. Und es vergingen sogar 22 Jahre, bis endlich auf dem jüdischen Friedhof in Hattendorf eine Informationstafel für die Zwangsarbeiter im Auetal 2005 aufgestellt wurde. "Es ist das Verdienst von Jungen und Mädchen der Geschichtswerkstatt der Herderschule, dass nach dreijähriger Arbeit der jetzt aktualisierte Wegweiser vorliegt", lobte der Geschichtswerkstatt-Leiter. "Sie sind den vielen Spuren von Zwangsarbeit nachgegangen, haben in Quellen geforscht und die Schauplätze des damaligen Geschehens aufgesucht." Exemplarisch für alle Opfer des Nationalsozialismus dokumentieren sie in diesem Wegweiser die Spuren des ehemaligen "Arbeitserziehungslagers" Lahde, des NS-Straflagers Steinbergen, der Lager und Massengräber im Auetal und das tragische Ende vieler Zwangsarbeiter auf ihrem Todesmarsch nach Hannover. Da viele der genannten Orte nur schwer auffindbar sind, befindet sich zu jeder Station die entsprechende Wegbeschreibung. Außerdem ermöglicht eine Literaturliste zu jeder Station eine intensivere Weiterbehandlung des Themas.

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