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Eine Stadt bewertet sich neu: Rathaus stellt von "Kameralistik" auf "Doppik" um

Was ist Rinteln mit Straßen und Schulen wert: 90 Millionen Euro?

Rinteln (wm). Wie hoch ist das Anlagevermögen der Stadt Rinteln? Eine gute Frage, die auch Ralf Hengster, der sich zurzeit damit beschäftigt, noch nicht schlüssig beantworten kann: 70 Millionen Euro an Grundstücks- und Immobilienwerten hat er bisher zusammengerechnet, doch "da kommt noch eine ganze Menge dazu". Nachfrage: Werden es 90Millionen? Möglich, sagt Hengster, aber nicht sicher.

Eine Vermögensaufstellung hat die Stadt schon immer gemacht, das älteste Verzeichnis stammt aus dem Jahr 1948 - eine Rarität - denn nur wenige Gemeinden haben damals ihre Werte aufgelistet. So ist in diesem Verzeichnis beispielsweise nachzulesen, dass der Neubau der Volksschule Rinteln-Nord, fertiggestellt 1952, 670 525 DM gekostet hat. Nach dem "kameralistischen System" verfügt die Stadt derzeit über Vermögenswerte in Höhe von 53 Millionen Euro. Neu ist, dass künftig jedes Grundstück, jede Straße, jede Schultafel, jeder Computer wertmäßig in einer Bilanz erfasst wird. Vor allem bei Grundstücken, sagt Hengster, gebe es in der Vermögensaufstellung - wie sie bisher landesweit gehandhabt wird - große Lücken. Selbstverständlich habe die Stadt Bauland erfasst, Industrieland "auf Vorrat", doch genau genommen gehören zur Stadt sage und schreibe 3500 Parzellen. Die sind - beispielsweise als Gräben oder Flurwege - manchmal nur wenige Quadratmeter groß. Mit dieser Aktion hat die Verwaltung ein Projekt angefasst, dass in allen niedersächsischen Gemeinden nach Willen des Gesetzgebers bis zum Jahr 2012 abgeschlossen sein soll: Die Umstellung des kommunalen Rechnungswesens von der "Kameralistik" auf ein kaufmännisch orientiertes Bilanzsystem, kurz "Doppik" genannt. Ein Rechnungswesen, betont Kämmerin Cornelia Budde, das sich anden Regeln orientiert, die auch für die Privatwirtschaft gelten. Vorteil der neuen Methode: Nicht nur Zahlungsvorgänge wie bisher werden erfasst, sondern auch andere Faktoren, die eine Bilanz beeinflussen, wie Wertminderung in Form von Abschreibungen oder zukünftige finanzielle Belastungen. Damit hat das Projekt auch eine ethische Dimension, nämlich zu zeigen, dass die "jetzige Generation nur das verbrauchen darf, was sie auch selbst erwirtschaftet und nach Möglichkeit keine finanziellen Belastungen auf künftige Generationen verlagert." Erstmals, so Hengster, würden neben dem städtischen Haushalt auch die ausgelagerten Betriebe einbezogen, also die Stadtwerke, der Bäder- wie der Abwasserbetrieb und die GVS, die die Immobilien verwaltet. Damit stände den Ratsherren dann eine Gesamtbilanz des "Konzerns Stadt Rinteln" zur Verfügung.

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