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"Offener Kindergarten": Einrichtung in Heeßen zeigt Eltern und Großeltern, was sich gewandelt hat

Von der "Trauminsel" bis zum Theaterraum

Heeßen (sig). "Von einem solchen Kindergarten hätten wir damals nicht zu träumen gehofft", entfuhr es einer älteren Besucherin beim "Tag der offenen Tür" am vergangenen Sonnabend. Sie durchstreifte mit Tochter und Enkelkind die beiden Gebäude, die zum Kindergarten der Samtgemeinde in Heeßen gehören. Ihr Vergleich endete mit der Feststellung: Was es vor mehr als einem halben Jahrhundert an Kinderbetreuung gab, könne man dagegen eher unter dem Begriff "Verwahren" einstufen.

In der Tat der Wandel ist frappierend. Selbst bei größtem Bemühen kann eine nicht berufstätige Mutter ihren Kindern ein solches Angebot an Entfaltungsmöglichkeiten nicht bieten. Die Idee vom Kindergarten, in dem die Einordnung in eine bestimmte Gruppe nur am Anfang und Ende des halben oder ganzen Tages eine Rolle spielt, ist der wahrscheinlich größte pädagogische Fortschritt im ersten Lebensabschnitt eines Kindes. "Dieses moderne Konzept, das den Kindern täglich die freie Wahl zwischen den verschiedenen Beschäftigungsformen bietet, habe ich mir schon lange gewünscht", erklärte die Leiterin Christel Feindt. Es sei aber schon in der Vorbereitungsphase mit viel Arbeit verbunden gewesen und habe zu großen Veränderungen geführt, auch in den Köpfen der Erzieherinnen und der Eltern. Die Kinder hätten es am schnellsten und mit sichtlicher Begeisterung aufgenommen. Mit dem neuen Konzept biete sich die Chance, den Jungen und Mädchen schon sehr früh zusätzliches Wissen und praxisnahe Erfahrungen mit auf den Weg zu geben. "Heute präsentieren wir unsere Einrichtung zum ersten Mal nach der erfolgten Umstellung, die auch in räumlicher Hinsicht recht umfangreich war", betonte Christel Feindt. Und Pastor Lutz Gräber als Vertreter des kirchlichen Trägers fügte hinzu: "Wir brauchen auch eine Rückmeldung von den Eltern - was klappt in ihren Augen, was fehlt noch?" Es sei ein großer Vorteil, dass sich die Kinder nach dem Morgenkreis in der eigenen Gruppe - entsprechend ihren Neigungen jeden Tag Angebote aussuchen können, die ihren Neigungen und Interessen entsprechen, unterstrich der Seelsorger. Die 15 Erzieherinnen, die zurzeit die rund 150 Kinder betreuen (darunter eine Nachmittags- und eine Ganztagsgruppe), entwickeln im Vorfeld rechtzeitig zusammen mit der Leiterin neue Spiele und Beschäftigungen mit Lerninhalten. Die Vorschüler befassen sich zum Beispiel mit dem Thema "Ich und mein Körper". Da geht es um solche Fragen wie: Was fühle ich? Wie funktioniere ich? Was ist wichtig für meine Gesundheit? Für alle Kinder gibt es einen Raum zum Experimentieren oder auch zum Basteln oder Werken mit Holz, Pappe, Kork, Stoffund anderen Materialien. Den Kindern wird zudem die Möglichkeit geboten, an Rollenspielen teilzunehmen oder selbst welche zu entwickeln. In einem Nebenraum gibt es dafür Kostüme, Hüte, Schuhe und verschiedene Requisiten. Wer sich anschließend ausruhen will, der kann das auf einer "Trauminsel", auf der es sich bei leiser Musik und gedämpften Licht gut träumen lässt. Im gleichen Raum liegen weiche Kissen, auf denen sich die Kinder mit Massage-Igeln selbst oder gegenseitig Entspannung verschaffen können. Natürlich findet auch der Küchenbereich immer wieder großes Interesse. Die Kinder haben zusammen mit Margret Killer und Monika Sümening eine Vielzahl von Rezepten entwickelt. Einige Eltern machten sich die Mühe, alles aufzuschreiben und kleine Rezeptbücher herauszugeben. Diese wurden beim sehr gut besuchten "Tag der offenen Tür" ebenso verkauft wie die leckeren Torten und Kuchen, die von den Müttern gespendet worden waren.

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