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Der lange Winter ist für die Heizung "wie fahren mit Vollgas!" / Kohle keine Alternative mehr

Vielen Familien geht jetzt das Heizöl aus

Rinteln (wm). Bei Heizölhändlern herrscht Hochbetrieb, denn dass der Winter so lange anhält und es so kalt geworden ist, damit hat niemand wirklich gerechnet. Weil viele Bürger mit Blick auf die Preise im Herbst nur gerade eben so viel Heizöl eingekauft haben, um über einen "normalen" Winter zu kommen, sind viele Tanks jetzt leer. Gerhard Koller von der Firma Heizöl- Büscher Unter der Frankenburg erzählt von fassungslosen Kunden, die ihn anrufen: "Ich kann es gar nicht glauben, aber mein Tank ist leer." Dabei sei es doch kein Wunder: " Wir hatten wochenlang Frost, teilweise bis zu Minus 15 Grad, das ist für eine Heizung, als würden sie immer Vollgas fahren."

Es gebe sogar Kunden, berichtete Manfred Nagel, Leiter der Warenabteilung bei der Volksbank in Krankenhagen, die rufen erst an, wenn die Heizung schon kalt ist, der Brenner ausgestellt. Und das sogar sonntags, berichtete Koller, aber "man kann die Leute ja nicht im Kalten sitzen lassen." Doch viele Kunden sei nicht bewusst, welches Risiko Heizölfahrer bei der Witterung oft auf sich nähmen. Selbstverständlich, die Hauptstraßen seien gestreut, aber die Nebenwege nicht, von Hauszufahrten gar nicht zu reden: "Da kämpfe ich mich dann hoch." Aber ein Tankwagen sei schließlich kein Gemüsetransporter, sondern "Gefahrengut", das zerre an den Nerven. Er habe schon mehr als einmal einen Traktor zu Hilfe holen müssen. Gelohnt hat sich Pokern, die Jagd nach den Tankschnäppchen, sagen Koller wie Nagel, für die Kunden nicht. Die Preise pendeln so zwischen 50 bis 55 Euro in der Tendenz und liegen damit auf unverändert hohem Niveau seit dem Herbst. Rund 59 Euro muss man gestern für 100 Liter zahlen bei einer Abnahme von rund 2000 Litern einschließlich Mehrwertsteuer und Anlieferung, rechnete Nagel über den Daumen hoch - es auf den Cent auszurechnen macht keinen Sinn, der Kursändert sich täglich und ist auch abhängig von der Menge. Kein Vergleich zur Situation vor zwei, drei Jahren. Im Sommer 2003 gab es 100 Liter Heizöl für 31 Euro, ein Jahr später lag der Preis so um die 39 Euro. Manfred Nagel geht nicht davon aus, dass die Situation deutlich besser wird, dagegen spreche die politische Lage im Iran, derÖlbedarf in China. Das zeigt auch ein Blick ins Internet: Wer noch in dieser Wintersaison Heizöl braucht, dem könne nicht zum Warten geraten werden. Alle Heizölhändler klagen über die mangelnde Zahlungsmoral mancher Kunden, das hat zur Konsequenz, dass an Neukunden nur noch Öl gegen Bargeld geliefert wird. Nagel drückte das so aus: Ein Möbelhaus könne ein Möbelstück zurückfordern, wenn der Kunde nicht zahle, da sei das Öl längst aus dem Schornstein. Mit Lieferschwierigkeiten rechnen RintelnsÖlhändler zurzeit nicht. Weil der Mittellandkanal teilweise zugefroren ist, habe es zwar Engpässe im Mindener Binnenlager gegeben, aber auf der Straße werde das ausgeglichen. Wobei Koller nicht versteht, warum nicht mehr Heizöl über die Schiene geht, das sei umweltfreundlicher und: "Die Bahn könnte jetzt gutes Geld verdienen." Wer einen Kaminofen hat, wo er normalerweise Holz verfeuert, legt jetzt oft am Abend auch ein paar Briketts auf, damit die Wärme über Nacht hält. Für solche Kunden hält die Warenabteilung der Volksbank in Krankenhagen abgepackt in 25-Kilo-Paketen Briketts bereit, wie auch Säcke mit gut durchgetrocknetem Buchenholz. Von einem Boom zu sprechen, hält Nagel allerdings für übertrieben: "Wer hat schon noch einen richtigen Kohleofen zu Hause?" Saison haben da eher Tipps zum Sparen: Das bedeutet, Termostatventile runterdrehen, 18 Grad sind auch genug, lieber auch in der Wohnung einen Pullover anziehen. Einmal am Tag alle Fenster weit auf, aber nur kurz, damit Wände und Möbel nicht abkühlen, über Nacht Rollläden und Vorhänge schließen.

  • Reichlich Kohle auf dem Gabelstapler hat hier Dieter Wozniak von der Warenabteilung der Volksbank.
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