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Mietmarkt in Rinteln: Großes Angebot, niedrige Quadratmeterpreise

Viele Interessenten fragen zuerst: "Und wie hoch sind die Nebenkosten?"

Rinteln (wm). Wer zurzeit eine Mietwohnung sucht, hat die Wahl: Die Wohnungsangebote in der Wochenendausgaben unserer Zeitung füllen Seiten. "Sofort einziehen, Mietzahlung ab dem 3. Monat", bietet ein Vermieter in Extertal-Bremke an. "Keine Kaution", steht in einer anderen Anzeige zu lesen. Immobilien Römbke beispielsweise hat 35 Wohnungen aller Kategorien in der Kernstadt und auf den Dörfern im Angebot.

Sechs Euro pro Quadratmeter für eine gute Wohnung waren in der Kernstadt einst ein normaler Mietpreis - heute nicht mehr durchzusetzen, sagt Edwin Sebening von der gleichnamigen Haus- und Grundstücksverwaltung. Innenstadtwohnungen, auch in guten Lagen, würden heute zwischen 5,20 und 4,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche vermietet. Wer aufs Land zieht, wohnt noch preiswerter. Ab 3,30 Euro pro Quadratmeter sind gute Wohnungen zu haben, wobei mit jedem Kilometer weiter weg von der Kernstadt die Taxe nochmals sinkt. So ist beispielsweise eine top-renovierte 85-Quadratmeter-Wohnung mit Balkon und neuem Bad in Hohenrode für 250 Euro zu mieten, schildert Dorit Wagner von Roesler-Immobilien. Wird ein Zweitwagen für die Familie unverzichtbar, fängt der Familienvater an zu rechnen. Dagegen kaum Gedankenüber Leerstände müssten sich die Hauseigentümer auf den Wällen machen, da sind sich alle Rintelner Immobilienfachleute einig. Wie der Münchhausenhof zählen Dingelstedt- und Josua-Stegmann-Wall zu den Top-Lagen in Rinteln. Es sei zwar schwieriger geworden, Wohnungen zu vermieten, berichtet Edwin Sebening, aber dramatisch würde er die Lage nicht nennen: Von 50 Wohneinheiten am Schubertweg ständen gerade mal vier leer. Selbst vom Graebeweg, der ja noch vor Jahren nicht den besten Ruf gehabt habe, gebe es Positives zu berichten: "Wir haben dort inzwischen zum großen Teil seriöse, gute Mieter." Mit Beharrlichkeit und Druck ("da stand jeden zweiten Tag der Hausmeister vor der Tür") sei es gelungen, die schlimmsten "Chaoten" loszuwerden. Im Grunde, so Sebening, sei der Graebeweg ja eine gute Wohnlage: Nah an der Altstadt und alle Wohnungen hätten einen guten Grundriss. Eine große Rolle, berichtete Miriam Kreye von Immobilien-Römbke, spiele die "zweite Miete", kein Wunder bei den Preisen für Heizöl und Gas. Erste Frage von Interessenten sei meist: "Und wie hoch sind die Nebenkosten?" Wohnungen ohne Isolierverglasung beispielsweise seien nur noch schwer an den Mann zu bringen. Dann gibt es noch einen Markt, der seine eigenen Gesetzmäßigkeiten hat, nämlich den Wohnungsmarkt für die Studenten der Finanzfachhochschule und für Mitarbeiter heimischer Firmen, die, mit Zeitverträgen oder aus anderen Gründen, von vornherein wissen, dass sie nur ein, zwei Jahre bleiben. Ein besonderes Problem habe auch "Hartz IV" Vermietern beschert, sagt Edwin Sebening: Weil die Agentur für Arbeit vermehrt kontrolliere, müssten manche langjährigen Mieter die Wohnung wechseln. 75 Quadratmeter gesteht der Gesetzgeber einer dreiköpfigen Familie zu. Bernd Stöver, Geschäftsführer des Mietervereins Hannover, der auch in Rinteln regelmäßig Sprechstunden abhält, ist überzeugt, dass sich der Trend ändern wird. Erste Anzeichen seien in Hannover bereits zu beobachten, nämlich steigende Mieten und ein knapper werdendes Angebot. Eine Entwicklung, so Stöver, die in zwei, drei Jahren auch die Provinz, also Rinteln erreichen werde. Mit ein Grund dafür sei, dass in den letzten Jahren der Bau von Mehrfamilienhäusern völlig vernachlässigt worden sei. Außerdem gehe er davon aus, dass langfristig weniger Eigenheime gebaut würden, nicht nur, weil die Eigenheimzulage weggefallen ist, sondern auch weil es die finanzielle Situation vieler junger Familien nicht mehr zulasse.

  • Edwin Sebening
  • Miriam Kreye
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