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Vor Gericht: Verfahren eingestellt / Durch Verhältnis mit Prostituierter auf Abwege geraten

Viel Rauch um wenig: Geldbuße für Polizisten

Obernkirchen/Bückeburg (ly) . Viel Rauch, wenig Feuer: Anfangs hatte die Staatsanwaltschaft Hannover einen Polizisten (51) aus Obernkirchen wegen zwei Fällen von Strafvereitelung im Amt angeklagt. Ermittelt worden war sogar wegen bandenmäßiger Einschleusung von Ausländern.

Verhandelt werden sollte vor der 1. Großen Strafkammer des Bückeburger Landgerichts, doch die Anklage wurde teilweise nicht zugelassen. Übrig blieb der Vorwurf einer versuchten Strafvereitelung, ein Fall für das Amtsgericht. Dort wurde das Verfahren gestern nach recht kurzer Verhandlung gegen eine Geldbuße von 2000 Euro vorläufig eingestellt - mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft. Sicher ist, dass der zwischenzeitlich vom Dienst suspendierte Kriminalbeamte im Februar 2002 in einer Obernkirchener Gaststätte eine Ukrainerin ohne Arbeitserlaubnis kennen gelernt hatte, die in einem illegalen Wohnungsbordell an der Bergamtstraße anschaffen ging. Sicher ist außerdem, dass der Polizist, seinerzeit Mitglied einer in der Bergstadt ansässigen Sonderkommission gegen organisiertes Verbrechen, mit der Prostituierten ein Verhältnis begonnen hat. Nach einer Razzia im Mai 2002 soll der Mann seiner Freundin geraten haben, das sündige Haus und auch Obernkirchen schleunigst zu verlassen. Tatsächlich stieg die Dame daraufhin in ein Taxi und ward nicht wieder gesehen. Im Oktober desselben Jahres gab es noch einmal ein Telefongespräch, abgehört von Kollegen des Polizeioberkommissars, in dem der Beamte der Frau riet, diesesolle "besser nicht" nach Obernkirchen kommen, es gebe "Probleme". Mit "Problemen" will der 51-Jährige allerdings die offenbar zerrüttete Beziehung zu seiner damaligen Lebensgefährtin gemeint haben. Angeblich sollten die beiden Frauen sich nicht treffen. "Sonst hätte es einen Zickenkampf auf dem Marktplatz gegeben." Auf jeden Fall war der Polizist längst selbst ins Visier der Ermittler geraten, weil er seine "schützende Hand" über den kleinen Puff (vier Liebesdienerinnen) gehalten haben sollte. Rausgekommen war die Sache mit dem Wohnungsbordellübrigens eher durch Zufall, und dabei spielten Liebe und Eifersucht ebenfalls eine wichtige Rolle. Auch der Betreiber hatte eine Affäre mit einer ausländischen Prostituierten begonnen. Davon bekam die Gattin des Mannes Wind, die daraufhin nichts Besseres zu tun hatte, als ihren Gemahl bei der Polizei anzuschwärzen, nachdem dieser sich betrunken hinters Steuer gesetzt hatte. Auf dem Beifahrersitz saß die Freundin, eine Blondine aus Polen, die natürlich keine Arbeitserlaubnis besaß. Damit hatten die Ermittler eine Spur, das Heimbordell flog auf. Für den Polizisten, der wegen der Suspendierung zurzeit mit reduzierten Bezügen auskommen muss, ist die Angelegenheit rund dreieinhalb Jahre danach indes noch nicht ausgestanden. Ihm droht ein Disziplinarverfahren. Offensichtlich sollte zunächst der Ausgang des Prozesses vorgestern abgewartet werden. Nach der Einstellung des Strafverfahrens, die geringe Schuld beinhaltet, könnten die Chancen des 51-Jährigen nun nicht schlecht stehen.

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