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Vor Gericht: Geklautes Mofa war nicht angemeldet - Bewährungsstrafe von sechs Monaten

Verkehrssünder liefert sich selbst ans Messer

Obernkirchen (ly). Klarer Fall von Eigentor: Nach dem Diebstahl seines Rollers hat ein Obernkirchener (30) die Polizei verständigt. Das ist grundsätzlich richtig. Allerdings hatte der Mann das Zweirad erstens nicht angemeldet und war zweitens kurz vor dem Klau gefahren, ohne im Besitz einer Fahrerlaubnis zu sein. Und das ist strafbar. Mithin ging der Schuss voll nach hinten los. Der Bergstädter, Verkehrssünder und Diebstahlsopfer in einer Person, hatte sich quasi selbst ans Messer geliefert.

Auch in solchen Fällen versteht die Justiz keinen Spaß. Knapp fünf Monate nach dem Missgeschick hat das Bückeburger Amtsgericht gegen den 30-Jährigen jetzt sechs Monate Freiheitsstrafe verhängt, ausgesetzt zur Bewährung. Als Auflage kommen 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit hinzu. Der Schuldspruch lautet aufUrkundenfälschung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Gebrauch eines nicht haftpflichtversicherten Fahrzeugs. Die Urkundenfälschung bestand darin, dass der Obernkirchener am Heck des Rollers einfach das Kennzeichen eines anderen Zweirads angebracht hatte. Dies war dem 30-Jährigen natürlich klar, als er scheinbar pflichtbewusst die Polizei anrief, um den Diebstahl anzuzeigen. Beamte kamen zum Tatort und trafen einen Mann, den sie angesichts diverser Vorstrafen, darunter wiederholt Verkehrsdelikte, bereits recht gut kannten. Selbstverständlich fragten die Ordnungshüter daher nach, ob der Obernkirchener vor dem Diebstahl selbst gefahren sei, was dieser frank und frei zugab. So kam alles raus. Der Rest war Routine. "Dumm gelaufen", meinte Richter Armin Böhm und fügte hinzu: "In gewisser Weise ehrt es den Angeklagten, dass er gegenüber der Polizei zugegeben hat, gefahren zu sein." Aber eben nur in gewisser Weise. Bekanntlich kommt ein Unglück selten allein. Den Roller hatte der bis heute unbekannte Dieb nämlich nur ein paar Ecken weiter wiedergeparkt, wie sich später herausstellen sollte. Eine Anzeige wäre also gar nicht nötig gewesen. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. "Ich dachte, dass ich fahren darf", beteuerte der Angeklagte, der schon länger keine Lizenz mehr besitzt, vor Gericht. "Ein Mofa hätten Sie fahren dürfen, aber kein führerscheinpflichtiges Fahrzeug", korrigierte Staatsanwalt Dieter Liese. Dass der Obernkirchener das falsche Kennzeichen "nur für einen Tag" angeschraubt haben will, war als Ausrede ebenfalls wenig geeignet. "Meinem Mandanten wird das eine Lehre sein", versicherte Verteidiger Michael Einars und erinnerte noch einmal an die richtige Reihenfolge: "Erst Fahrzeug ummelden, dann Kennzeichen anschrauben und fahren." Natürlich nur mit Führerschein.

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