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Beschäftigte aus dem Öffentlichen Dienst protestieren bei zentraler Kundgebung im Kreishaus

ver.di: 40-Stunden-Woche kostet viele Jobs

Landkreis (jl). Ein großer Karton-Stapel im Foyer des Stadthäger Kreishauses hat gestern deutlich gemacht, wo die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes im Kreis momentan der Schuh drückt. Die Zahl der Kartons soll nämlich symbolisieren, wie viele Arbeitsplätze in Krankenhäusern, bei Straßenmeistereien, Kommunen und weiteren Dienststellen verloren gehen, wenn die Arbeitgeber in der momentanen Tarifauseinandersetzung die 40-Stunden-Woche durchsetzen.

Rund 150 Beschäftigte der Straßenmeistereien Rinteln und Stadthagen, der beiden Standorte des Kreisklinikums sowie diverser Kommunalverwaltungen haben nach Angaben der Gewerkschaft ver.di gestern für zwei bis drei Stunden ihre Arbeit ruhen lassen, um an der zentralen Kundgebung für Schaumburg teilzunehmen. Die Gewerkschafter formierten sich auf einem Parkplatz an der Jahnstraße zu einem kurzen Demonstrationszug zum Kreishaus, wo sie eigentlich mit Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier diskutieren wollten. Doch dieser hatte sich bei Gewerkschaftssekretärin Angela Schultjan wegen eines anderen, schon lange geplanten Termins entschuldigt. Schöttelndreier hat den Streikenden nach Schultjans Darstellung eine "eine schlechte und eine gute Nachricht" zu den Kernthemen der Tarifauseinandersetzung übermitteln lassen. Die schlechte lautet aus Sicht der Gewerkschafterin, dass Arbeitgeber Schöttelndreier die Einführung der 40-Stunden-Woche befürworte. "Uns geht es nicht um 18 Minuten mehr am Tag, es geht um zehn Tage im Jahr und um vier Prozent Lohneinbuße", sagte Schultjan unter großem Beifall. Diese Mehrarbeit sei für Angestellte der Straßenmeistereien und im Pflegebereich wegen der hohen körperlichen Beanspruchung fatal. Schultjan schätzt, dass auf längere Sicht durch die Arbeitszeitverlängerung "jeder 25. Arbeitsplatz im Öffentlichen Dienst den Bach runtergeht". Für jeden mutmaßlich in Schaumburg abgängigen Job hatten die ver.di-Mitglieder einen Karton mitgebracht. Die "gute" Botschaft des Landrates lautete, dass er dieÜbernahme des neuen Tarifvertrages für den Öffentlichen Dienst für Niedersachsen befürworte. Dieses Regelwerk macht die Arbeit in Behörden und Dienststellen nach den Worten der Sprecherin effektiver und flexibler. Klaus Heimann und Karlheinz Rohlwing von der Kreisverwaltung betonten, dass niemand seinen Arbeitsplatz verlieren werde. Die längere Arbeitszeit sei nötig, weil der Kreis Personalkosten einsparen müsse. Sonst bestehe ernsthaft Gefahr für die Arbeitsplätze. Diese Argumente stießen nicht unbedingt auf Zustimmung.

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