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Ein Abend im Balladenladen / Frizz Feick und Ulli Meyer zu Gast bei den "Poetischen Momenten" des Kulturvereins

"Urgestein" präsentiert die Quintessenz seines Schaffens

Bückeburg (bus). Die "Poetischen Momente", das Zwischenton-Schatzkästlein des Bückeburger Kulturvereins, haben am Freitagabend ein Gastspiel Frizz Feick (Piano, Gesang, Moderation) und Uli Meyer (Saxofone) erlebt. Das Duo stellte mit seinem Programm "Ein Abend im Balladenladen" einmal mehr das geschickte Händchen des künstlerischen Leiters (Klaus Suchland) unter Beweis, sein Können nicht unter den Scheffel, die Aktualität handgemachter Musik nicht infrage und das Publikum in der "ausverkauften" Ex-Landfrauenschule rundum zufrieden.

Den einheimischen Künstlern, denen trotz jugendlich anmutender Frische das Ätzprädikat "Urgesteine" aufgepappt werden darf, verhalf das auf eine Aufführungsstunde fixierte Zeitlimit der "Momente" durchaus zum Vorteil. Die Beschränkung bescherte der Zuhörerschaft das Vergnügen, sozusagen die Quintessenz der Feickschen Schaffensvielfalt vor Ohren geführt zu bekommen. Was zur Folge hatte, dass Freunde und Nichtvertraute gleichermaßen zu ihrem Recht kamen. Die Künstler hatten (inklusive zweier rechtens einkalkulierter Zugaben) insgesamt elf Titel ausgewählt. Bis auf "Tacheles" und "Schwarzweiß", in denen das Rhythmische die Melodie zu dominieren versuchte, allesamt dem Programmmotto folgende Kompositionen. Älteres und Unveröffentlichtes wechselte von "Komm mit" über "Kein Zuckerschlecken", "Unter dem Regenbogen" und "Muscadet" bis zu "Famose lezzte Worte" munter miteinander ab. Spätestens bei der Ankündigung von "Der Geruch von deinem Haar", in dessem schriftlichen Abbild Feick das Wort "Haar" in der nur ihm eigenen Diktion mit "Ha(a)r(rl)" darstellt, schwante auch den Allernichtvertrautesten die sympathische Doppel- und Schlitzohrigkeit des Ahnsers. Feicks Stärken liegen nicht nur im Zusammenfügen von Wörtern und Noten. Der Selfmademan erinnert passagenweise an den jungen Otto Waalkes. Nicht ob des Aussehens sondern des wohl kaum abwendbaren Schicksals wegen. Des Ostfriesen eigentliches Ansinnen war in jener Zeit, die Fußstapfen von Hannes Wader, Alfons Yondraschek (Reinhard Mey) oder - huch - Schobert& Black auszufüllen. Waalkes war ein lausiger Gitarrenspieler. Was in Szenekneipen wie dem legendären "Onkel Pö" in Hamburg-Eppendorf das Publikum von den Hockern riss, waren seine aus Unsicherheit geborenen Beschreibungen der zur Aufführung anstehenden Arrangements. Nun sind Feicks Zwischentexte sicher nicht der Unsicherheit geschuldet. Indes - "das fällt mir jetzt gerade ein" - steht zu befürchten, dass seine charmant-espritigen Annoncen ihm eines Tages die Tastatur kosten werden. Wenn er bei dem auf TV-Erlebnisse gemünzten "Schwarzweiß" von Howard Carpendale auf Tante Bärbel kommt, wenn er seinen multisaxophonalen Mitstreiter (mein Zweitlieblingsnichtraucher nach Roger Grabowski) fragt "wie viel Zylinder hat deine Bassklarinette?", wenn er dem jugendlichen Auditorium den Begriff Pseudonym mit (und als) Peter Silie verklickert oder wenn er vermeintlich aufs Zeitlimit (siehe oben) schauend verspricht, statt "poetisch" nur noch "pötisch" zu sagen, tuen sich arge Parallelen zum ostfriesischen Barden auf. "Ich verplaudere mich ab und zu ganz gern", gestand Frizz unumwunden ein. Das Phänomen der ungeplanten Verplauderung sei allerdings, dass er immer wieder zum Ausgangspunkt zurückfände. "Sie müssen nur ein wenig Geduld haben." Haben wir.

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