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Betriebsrat : "Entscheidung nicht nachvollziehbar"

Umsatzminus: Faurecia will 190 Mitarbeiter entlassen

Stadthagen (jl). Der Stadthäger Autozulieferer Faurecia will bis zum Jahresende 190 Mitarbeiter aus der Produktion entlassen. Der Grund ist nach Angaben der Unternehmensleitung ein drastischer Umsatzrückgang seit diesem Frühjahr. Faurecia erwartet bis zum Jahresende eine Einbuße von 50 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Die Belegschaft ist gestern Mittag in einer Betriebsversammlung informiert worden. Der Betriebsrat zweifelt die Notwendigkeit eines Personalabbaus in dieser Höhe an.

Olaf Hahn, Geschäftsführer für die Autositzherstellung sowie sämtlicher deutscher Metallwerke von Faurecia, und Michael Freiboth, der Personaldirektor der Metallwerke, machten gestern Vormittag deutlich, dass dem Stadthäger Werk seit April der Umsatz bei drei Produkten "massiv" eingebrochen sei. Das gelte für den für VW gefertigten so genannten Konzernsitz vom Typ PKO. Dieser läuft laut Freiboth jetzt aus. Der Umsatzrückgang sei bereits früher erwartet worden und jetzt eingetreten. Sorgenkind Nummer zwei ist laut Hahn und Freiboth die Nachfolge-Plattform vom Typ PQ 35. Auch bei diesem technischen Neuling bekomme Stadthagen deutlich weniger Aufträge. Dritter Umsatzfaktor ist die Einstellung der Produktion des "Smart for four", für den das Werk exklusiv die Sitzgestelle gefertigt habe. Das letzte Gestell hat die Stadthäger Werkbank am Mittwoch verlassen. All' das "belastet uns volumenmäßig sehr stark", fasste Freiboth zusammen. Deswegen habe sich die Unternehmensleitung zu einem frühzeitigen Gegensteuern in der Form von "Personalanpassungen" entschieden. Diese Anpassungen bestehen aus zwei Komponenten. So sollen die bis jetzt weitgehend parallel operierenden Produktionsstätten für Sitzstrukturen und Sitzmechanismen zu einem Werk zusammengefasst und dabei Doppelstrukturen abgebaut werden, wie Freiboth es ausdrückte. Die zweite Komponente ist die beabsichtige Entlassung von 190 Mitarbeitern bis zum Jahresende. Betroffen ist laut Hahn ausschließlich die Produktion, in der zurzeit noch 670 Mitarbeiter beschäftigt sind. Darüber hinaus arbeiten bei Faurecia in der Verwaltungszentrale sowie Forschung und Entwicklung nach Unternehmensangaben 1712 Angestellte. Der Betriebsrat ist gestern Morgen informiert worden. Die Verhandlungenüber einen Interessensausgleich sollen am kommenden Freitag beginnen. Gestern Mittag ist die Belegschaft informiert worden. Bei den Beschäftigten sei die Lage "explosiv", sagte Betriebsratsvorsitzender Jürgen Bittner auf Anfrage. Die Stimmung in der Versammlung sei von "tiefer Betroffenheit" geprägt gewesen. Die Zahl von 190 ist nach seinen Worten "dramatisch und nicht nachvollziehbar. Das Unternehmen muss sich erklären". Die Angaben der Unternehmensführung zur Umsatzentwicklung bezweifelt Bittner, unter anderem weil im Werk seit Ende vergangenen Jahres auch an Sonnabenden gearbeitet werde. Die Zahl 190 bedeutet laut Bittner und Thorsten Gröger von der IG Metall den Abbau eines Drittels der Belegschaft. Bittner sieht deshalb Gefahr für das gesamte Werk. "Eine scheibchenweise Schließung werden wir nicht mitmachen. Irgendwann muss Licht am Ende des Tunnels leuchten." Gröger sieht wegen der gestrigen Ankündigung die Gespräche über die komplette Umstrukturierung der Fertigung (siehe "Fakten") belastet. "Das unterstreicht nicht gerade die Glaubwürdigkeit der Unternehmensführung", meinte er. Der Landtagsabgeordnete Friedel Pörtner (CDU) hat die "Hiobsbotschaft" gestern während einer Landtagssitzung erfahren und umgehend Ministerpräsident Christian Wulff und Wirtschaftsminister Walter Hirche informiert. "Ich stehe Gewehr bei Fuß", sagte er. Informiert wurden auch Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier und Bürgermeister Jürgen Hoffmann.

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