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Nabu-Chef Matthaei sieht sich "in keiner Weise verantwortlich" für Verstöße

Tierschützer gegen Naturschützer: Streit um illegale Jagdmethoden

Bückeburg (wer). Eine seltsame Front: Tierschützer und Naturschützer liegen in Bückeburg im Clinch. Sie streiten darüber, wer für die illegalen Jagdmethoden im Naturschutzgebiet Hofwiesenteiche verantwortlich ist. Auslöser ist ein zweiseitiges Schreiben, das Alfred Matthaei, Vorsitzender der Naturschutzbund-Ortsgruppe und Revierförsterder Hofkammer, an die Nabu-Mitglieder gerichtet hat und in dem er bestreitet, von den Verstößen gewusst zu haben.

Matthaei, der als Revierförster zwar die Forst-, aber nicht die Jagdaufsicht im Schutzgebiet ausübt, schreibt in dem Brief an die Mitglieder, er sei für die "angeprangerten Zustände in keinster Weise verantwortlich". Von der Existenz einer verbotenen Krähenmassenfalle in den Hofwiesen hatte und habe er "keine Kenntnisse", der Aufnahmeort des (hier erneut abgedruckten) Fotos der Anwohnerin sei überdies "strittig". Auch die "genaue Lage des Fuchs-Kunstbaus" sei ihm nicht bekannt gewesen, der im Schutzgebiet unzulässige Bau hätte aber "ohnehin keine zwei Meter neben der NSG-Grenze" gelegen. Dagegen sei ihm aufgefallen, dass einige Entenschirme fest installiert waren. "Ich selbst habe diesen Missstand vernachlässigt, da bei geringfügig anderer Bauweise kein Verstoß vorgelegen hätte", räumt Matthaei ein. Eine Breitseite gegen die Anwohnerin, die die Verstöße aufgedeckt hat, kann sich Matthaei nicht verkneifen. Bei ihr paare sich "totaler Jägerhass mit jagdlichem Un-Halbwissen und überzogener Tierliebe". Emotionaler Zündstoff, der nicht ohne Widerspruch blieb. Auch von den Jagdgegnern sollen die Nabu-Mitglieder auf ihrer Versammlung am 26. Januar eine Stellungnahme erhalten. Die Antwort auf "Herrn Matthaeis Versuch der Richtigstellung vom Dezember 2005". In dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, bezeichnen Marc Buchtmann und Rudi Pohlenz (im Namen der Tierschutzorganisationen "Wir Füchse" und "Tatort Wald") die Aussagen Matthaeis als "irreführend", der Revierleiter sei auch für die in seinem Revier eingesetzten Personen verantwortlich. Dass ihm die Verstöße des Jagdaufsehers nicht bekannt waren, sei "unwahrscheinlich". Die Vorwürfe richteten sich in erster Linie gegen den Jagdaufseher, erklären die Tierschützer, doch sei der Revierförster "mit verantwortlich". Er versäume es außerdem, sich gegen die "Freveltaten" einzusetzen. Mehr noch: "Er redet sie sogar schön." Buchtmann und Pohlenz kritisieren Matthaeis Verhalten als "peinlich und inakzeptabel". Eklatant sei gegen die Statuten des Naturschutzbundes verstoßen worden, worüber man den Landes- und Bundesverband informieren werde. Auch an der Authentizität des Fotos von der Massenkrähenfalle bestünden keine Zweifel, das Negativ sei nicht manipulierbar, der Standort eindeutig den Hofwiesen zuzuordnen. Matthaei hatte bis jetzt zu den Ermittlungen des Landkreises gegen das Fürstliche Forstamt geschwiegen. Er begründet seine öffentliche Zurückhaltung mit seiner Anstellung bei der Hofkammer. Auf der Versammlung der Nabu-Ortsgruppe indes will er Rede und Antwort stehen. Schon jetzt stärkt der übrige Vorstand Matthaei demonstrativ den Rücken. In einer Erklärung an die Mitglieder sehen Uwe Köhler, Bernd Kruse und Gerd Oppenhausen den Vorsitzenden in der Presse "in ungerechtfertigter Weise verleumdet und persönlich angegriffen", er sei sogar das Opfer einer Kampagne. "Der Vorstand der Ortsgruppe Bückeburg hatte niemals Zweifel an seiner Aufrichtigkeit und steht 100% zu ihm." Man begrüße sehr, dass Matthaei im Nabu bleiben wolle: Eine aktive Arbeit sei ohne ihn "nicht vorstellbar".

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