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Neues Losverfahren sorgt für mehr Gerechtigkeit / 1156 Rationen im Dezember

"Tafel" feiert spätes Weihnachten - aber: "Ein Zuviel gibt es bei uns nicht"

Rinteln. "Also, eine Suppenküche sind wir nun nicht!", sagt Sabine Janke lachend. Seit letztem Frühjahr ist sie die neue Leiterin der "Rintelner Tafel" und sie weiß, dass viele Menschen in der Stadt immer noch nicht genau wissen, was es mit der "Tafel" eigentlich auf sich hat, auch viele von denen nicht, für die diese hilfreiche Institution gedacht ist: Menschen mit sehr wenig Geld.

Der Pavillon an der Klosterstraße sieht von innen aus wie ein einfacher Tante-Emma-Laden. Obst und Gemüse, Brot, Reis und Nudeln, Milch, Joghurt, Öl, Konserven, kurz, allerlei Grundnahrungsmittel und oft auch Extras wie Schokolade, Kuchen, Cornflakes und Kaffee lagern in den Regalen. Diese Dinge werden eingesammelt von den umliegenden Supermärkten und kleinen Bäckereien, Ware kurz vorm Verfallsdatum, die verteilt wird an Hartz IV- und Sozialhilfeempfänger, an alte Leute mit kleiner Rente und an alle, die ihre Bedürftigkeit nachweisen können. Seit viereinhalb Jahren besteht die vom DRK Schaumburg verantwortete Rintelner Tafel, und es sind weitüber hundert Menschen, die diese Unterstützung regelmäßig nutzen. Damit es bei der Verteilung der Lebensmittel auch gerecht zugeht, und nicht - wie es sich im letzten Jahr eingeschlichen hatte - die ersten in der Wartereihe reich bedacht den Laden verlassen, während die letzten vielleicht gerade über eine Packung Brot froh sein können, hat Sabine Janke ein Losverfahren eingeführt. "Kurz vor elf Uhr, wenn die Tafelöffnet, verteile ich verschlossene Nummernzettel", erklärt sie. "So braucht niemand mehr vorher drei Stunden in der Kälte herumzustehen, nur um möglichst früh dranzukommen." Die Einzigen, die bevorzugt werden, das sind die Kinder. Bei ihnen achten die Mitarbeiter besonders darauf, dass sie Lebensmittel für einen vollwertigen Speiseplan erhalten. Sollte zum Beispiel nur wenig Milch und Joghurt da sein, dann bekommen das auf jeden Fall die Familien. Im Moment sieht es gut aus mit den Vorräten der Tafel. "Wir feiern hier fast ein nachträgliches Weihnachten", so Sabine Janke. Jede Menge Süßigkeiten und Lebkuchen, aber auch zum Beispiel Gänsebrust und Lachs wurden von den Märkten aussortiert und abgegeben. "Das ist natürlich die reine Freude, auch mal so was zu verteilen!" Insgesamt aber kann sie nur sagen: "Ein Zuviel gibt es bei uns nicht!" Immer noch ist Marktkauf der wichtigste Lieferant, dazu kommen Extra-Markt, Lidl und andere Märkte, mit denen die Tafel in Verhandlungen steht. Täglich fahren die Fahrer die Routen ab und sammeln alles ein. Auch Privatpersonen können Lebensmittel spenden. Es muss sich dabei um verschlossene Ware handeln (leider können offene Speisen, wie sie zum Beispiel nach einem großen Fest noch vorhanden sind, nicht angenommen werden). Es gibt immer wieder einzelne Menschen, die besondere Dinge einkaufen und vorbeibringen. Kaffee, Tee und vor allem Babynahrung fehlen eigentlich immer. Die Tafel hat täglich ab 11 Uhr geöffnet. Jede Einzelperson oder Familie kann zwei Mal in der Woche vorbeikommen. Im Dezember wurden so 1156 Rationen ausgegeben. "Aber es gibt noch viel mehr Menschen in der Stadt, die unser Angebot nutzen könnten", sagt Sabine Janke. Man muss nicht warten, bis buchstäblich nichts mehr geht. Die Tafel dient auch dazu, dass mal ein bisschen Geld übrig bleibt für andere Dinge, für ein Kaffeetrinken oder einen Familienbesuch im Kino. Mit Popcorn dabei! Übrigens: Zur Tafel gehört auch das Kleiderlädchen des DRK. Darüber in einer der nächsten Ausgaben mehr.

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