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"Godewind" gewinnt neue Fans im Kursaal / Bandleader verspricht das Wiederkommen

Sie singen vom Wind und Meeresrauschen

Bad Eilsen (sig). Sie sind etwas Besonderes, diese sechs Musikanten aus dem Norden. Wer sonst aktuelle Gruppen auf deutschen Bühnen erlebt, bekommt überwiegend englischsprachige, manchmal auch deutsche Songs zu hören. Aber reinstes nordfriesisches Platt, und zwar von der Begrüßung bis zum Schlusslied, das ist ungewöhnlich. Aber erfolgreich, wie das Gastspiel von "Godewind" am Sonntag im Kursaal bewies.

Ungewöhnlich ist die Gruppe auch deshalb, weil sie ihre Fans in allen Teilen Deutschlands hat und inzwischen sogar in den Vereinigten Staaten, wo "Godewind" auch bereits Konzerte gegeben hat. Wer glaubt, eine solche Musik könne doch nur regionale Erfolge einheimsen, der irrt. "Godewind" beweist eindrucksvoll, dass nicht allein Rhythmus und Lautstärke sowie kräftige Stimmen die Basis der Popularität sind. Gut singen können alle Sechs, und etliche Instrumente beherrschen sie auch. Aber ihre Musik hat mehr als einen Touch von Originalität - sie kommt aus dem Raum, in dem sie leben, und sie wirkt nicht nur ursprünglich, sondern sie ist es auch. "Godewind" hat in den rund 26 Jahren des Bestehens viel dazu beigetragen, überliefertes und auch verschüttetes nordfriesisches Liedgut mit frischem Sound in die Konzertsäle zu tragen. Nicht verfälscht um den Preis, den Ohrenschmaus zu erhöhen und manches "eingängiger" zu machen. "Wir lieben das Land zwischen Nord- und Ostsee, und wir schildern Ihnen musikalisch, was wir dort oben alles erlebt haben", kündigt der Bandleader und hervorragende Gitarrist Larry Evers zu Beginn des Auftritts an. Wegweisend waren dann auch gleich die ersten Titel. Sie lauteten nämlich: "Richtung Norden" und "Möwenland". Danach empfiehlt Larry Evers den Zuhörern im voll besetzten Kursaal als bekömmlichen Begrüßungstrunk bei einem Besuch in Nordfriesland den "Pharisäer". Dahinter verbirgt sich schwarzer Kaffee mit Rum. Dass er ganz kräftig in die Glieder fahren kann, davon ist danach in einem Lied die Rede. Natürlich macht "Godewind" ausreichend Gebrauch davon, das Meer, Wind und Wellen, Ebbe und Flut und sogar einen Sommersturm an der Küste zu besingen. Zeitweilig glaubt man, eine frische Meeresbrise im Gesicht und Urlaubssand zwischen den Zehen zu spüren. Aber das heben wir uns für den Sommer auf. Allerdings lieben auch manche Binnenländer die Herbst- und Winterstürme auf den Inseln und erleben sie gern als einsame Spaziergänger. Vor der Pause geht es noch einmal richtig zur Sache mit einem Medley von bekannten Abba-Melodien. Da wird es im Saal auch richtig laut. Bei diesen Evergreens fragt niemand mehr nach dem Inhalt des Textes. Den kennt inzwischen mehr als eine Generation. Im zweiten Teil des Konzertes gibt es "Düt un Dat", "Willi und de Schwien" mit erstaunlichen Vergleichen zwischen den Menschen und ihren Schinkenspendern sowie gesammelte Balladen, und zwar im Wechsel mit ganz mitreißenden Rhythmen. Schließlich kommen sogar die Beatles "op platt" zu Gehör und eine "Plattdütsche Hitparade mit beliebten Volksweisen wie "Dat du min Levsten bist". Die musikalischen "Botschafter des Nordens" liefern noch einige Zugaben, werden von den Zuhörern mit Beifall überschüttet und versprechen, sichtlich berührt von dem Echo: "Wir waren zum ersten Mal in Bad Eilsen, aber wir kommen wieder; das versprechen wir Ihnen!"

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