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"WIR für Obernkirchen" stellt Inhalte vor: "Revolutionäres Programm für evolutionären Prozess"

"Schule vom Kopf wieder auf die Beine stellen"

Obernkirchen (rnk). Den Startschuss für die angestrebte Bildungsrevolution hörten nur wenige: Knapp 20 Obernkirchener hatten sich eingefunden, um sich im Restaurant "Am Sonnenbrink" das Programm von der "Wählerinitiative in der Region für Obernkirchen" kurz: "WIR für Obernkirchen", vorstellen zu lassen.

Zwar sei das Programm der Initiative revolutionär, befand "WIR"-Kopf Dr. Konrad Bögel gleich mehrfach, weil es vor allem das Schulsystem vom Kopf wieder auf die Beine stellen wolle, aber es sei eher ein "evolutionärer" denn revolutionärer Prozess, der angestrebt werde: Heute müssten die Weichen gestellt werden, damit der Bildungszug möglichst bald für die Jugendlichen wieder auf der richtigen Strecke fahre. Wie sich Bögel und die aus der CDU-Ratsfraktion ausgetretene Ines Wies die Schule der Zukunft vorstellen, wurde anschließend in einem Film verdeutlicht, der alternative Schulmodelle vorstelle, in der die (Ganztags-)Schule Spaß macht, die Kinder von engagierten Lehrern unterrichtet werden und die Leistungen der Schüler deutlich bis weit über den Bundesdurchschnitt liegen. Schulen, in denen nicht nach dem "Osterhasenprinzip" unterrichtet werde ("Der Lehrer versteckt das Wissen und die Schüler suchen es", wie eine Pädagogin ausführte), sondern Schulen, in denen heterogene, altersgemischte Gruppen miteinander und nebeneinander lernen, in denen die Großen den Kleinen auf die Sprünge helfen, in denen es nicht darum geht, alle Schüler einer Klasse auf den gleichen Stand zu bringen, um danach gemeinsam loszumarschieren. Schulen, in denen der Eigensinn eines Schülers nicht als Angriff auf die Funktionen der Lehranstalt betrachtet wird, sondern in denen die Verschiedenheit der Schüler als Kapital betrachtet werden. Kurzum: Der Film zeigte 30 Minuten aus einer Welt, in der der Umbau der Schule schon begonnen hat: an den Fundamenten und in vielen kleineren Biotopen. Die Bekämpfung des Bildungsnotstandes sei notwendiger denn je, meinte Bögel, und es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, bei der auch andere gefordert seien. So sei ja das Handwerk auch nicht mehr mit dem zufrieden, was die Schulen verlassen würde, und sei das Murren der Industrie über das, was aus denBerufsschulen komme, auch nicht zu überhören. Der Umbau der Bildung, der Politik, der Verwaltung, die Stärkung gesellschaftlicher Wurzeln und des Heimatgefühls, Stadtentwicklung, Familienfreundlichkeit und Freizeit - das Programm von "WIR" lässt kaum Wählerwünsche offen, hat seinen erklärten Schwerpunkt aber im Bildungsbereich. Ohne Gesamtschule, so Bögel, habe die Bergstadt ein "schulisches Defizit". In der Bergstadt würden heute 50 Prozent mehr Schüler auf der Hauptschule bleiben als etwa in Bückeburg, Stadthagen oder Bad Nenndorf. 30 Prozent aller Schüler würden in Obernkirchen nach der vierten Klasse, also im Alter von zehn Jahren, auf die Hauptschule geschickt, in anderen Städten seien es die Hälfte oder weniger. Der zweite Schwerpunkt liegt, wen wundert es, auf der Politik. Geht es nach Bögel, darf sich das Rathaus wärmer anziehen. Bögel, seit neun Jahren im Stadtrat, verwies mehrfach auf die Stadt Sassenburg, in der man bei gleicher Einwohnerzahl mit weniger als der Hälfte der Beamten auskomme, in Obernkirchen müsse grundlegend überlegt werden, was das Rathaus in diesen modernen Zeiten noch leisten müsse und was durch systematische Verknüpfung mit anderen Städten, "besser, billiger und effektiver" (Bögel) angeboten werden könne. Und warum der Schwiegersohn eines hohen Verwaltungsangestellten nun unbedingt im Rathaus Obernkirchen arbeiten müsse und nicht bei einer anderen Stadt im Landkreis sein Geld verdiene, das sah Bögel auch nicht recht ein: "Im Rathaus gibt es zu viele Verwandtschaftsverhältnisse." Eine der "historischen" Interessenbindungen, die "WIR" auch beenden möchte.

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