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Borderline-Ausstellung in der Sparkasse / Aufschlussreiche Einblicke in das Leben Betroffener

"Schöne Kunst sehen wir hier sicher nicht"

Bückeburg (bus). In der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Schaumburg ist die Wanderausstellung "Tagebuch borderline-borderland" eröffnet worden. Die Präsentation befasst sich mit einer Persönlichkeitsstörung, welche die von ihr Betroffenen in eine Welt der Extreme führt. "Borderliner" treffen oft auf das Unverständnis ihrerMitmenschen. "Menschen mit psychischen Leiden drohen teilweise immer noch Stigmatisierung und Ausgrenzung", erkannte Kreisdezernentin Eva Burdorf während der Eröffnung. Die Ausstellung solle dazu beitragen, auch im Alltagsleben eine größere Akzeptanz gegenüber psychischen Krankheiten zu erreichen.

Burdorf: "In diesen Darstellungen können wir beim Betrachten der Bilder und Lesen der Texte ein Stück weit die Ängste und Verzweiflung der Betroffenen nachvollziehen." Was helfe, die Situation psychisch kranker Menschen besser zu verstehen und so mehr Toleranz für sie zu entwickeln. "Schöne, dekorative Kunst sehen wir hier sicher nicht", unterstrich Helge Lüders. Der Facharzt für Psychiatrie und Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SPD) des Landkreises dankte den Verantwortlichen der Bank - "bemerkenswert und mutig" - für das Überlassen der Räume. "Die Ausstellung spricht eine drastische Sprache", stellte er fest. Die vom SPD, dem Sozialpsychiatrischen Verbund und der Begegnungsstätte für Psychiatrie-Erfahrene, organisierte Schau ist bis Mittwoch, 1. Februar, zu sehen. Sie zeigt 24 Arbeiten der Grafik-Designerin Martina Schwarz, die anhand von Fotos, Zeichnungen und Texten Einblicke in das Leben Betroffener vermitteln. Schwarz, selbst an Borderline erkrankt, schildert dasErleben dieses psychischen Grenzgangs überaus eindrucksvoll. Für ihr Werk befragte sie andere Patienten, fasste die Aufzeichnungen zusammen und ergänzte sie durch ergreifendes Bildmaterial. Die Kompositionen beschreiben, wie die Suche nach sich selbst und die Enttäuschung darüber, von anderen Menschen nicht genug geliebt zu werden, die Betroffenen in tiefe Selbstzweifel treibt. Borderline, häufig durch emotionalen oder sexuellen Missbrauch in der Kindheit hervorgerufen, wird in der Psychiatrie als Erkrankung an der Grenze zur Schizophrenie aufgefasst. Sie kann sich in alternierenden psychotischen und neurotischen Episoden äußern. Viele Borderline-Patienten leiden durch ihr paradox-sprunghaftes Verhalten und eine verzerrte Selbst- und Fremdwahrnehmung an einer mangelnden Beziehungsfähigkeit. Einen lieb gewonnen Menschen können sie so für einen Moment wütend ablehnen, um ihn kurz darauf leidenschaftlich zu vergöttern. Depressionen, Panikattacken und extreme Verlustängste tragen dazu bei, dass die Erkrankten von der Mitwelt oft nicht nur missverstanden, sondern regelrecht abgelehnt werden. "Selbst viele Fachkollegen wollen damit nichts zu tun haben", verdeutlichte Helge Lüders. Borderline sei ihnen "zu kitzlig".

  • Die Ausstellung zeigt nach Einschätzung von Helge Lüders "keine schöne, dekorative Kunst". Dennoch vermitteln die 24 Arbeiten von Martina Schwarz aufschlussreiche Einblicke in das Leben der Betroffenen.
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