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Vor Gericht: Diebin muss wohl in Haft

Richter rät: "Am besten näht man alle Taschen zu"

Bückeburg (ly). Wiederholt hat die Angeklagte angekündigt, in eine andere Stadt umziehen zu wollen. Friedrich von Oertzen würde dies begrüßen, er sehnt es förmlich herbei. Der Präsident des Landgerichts: "Sie würde uns eine große Freude machen ..." - und weniger Arbeit.

Fast 20 Vorstrafen gehen nämlich auf das Konto der 40-Jährigen, etwa ein Drittel davon wegen Diebstahls. Falls das jüngste Urteil der 4. Kleinen Strafkammer, deren Vorsitzender von Oertzen ist, rechtskräftig wird, zieht die Rintelnerin wohl tatsächlich um, und zwar ins Gefängnis. Verhängt wurden sieben Monate Haft wegen Diebstahls. Darüber hinaus droht der Widerruf mehrerer Bewährungen. Das wäre noch einmal ein Jahr Freiheitsstrafe. Macht unterm Strich 19 Monate hinter Gittern. In dem Berufungsverfahren war es um eine besonders dreiste Tat gegangen. Gleich beim ersten Gespräch hatte die Drogensüchtige eine kurze Abwesenheit ihrer Bückeburger Bewährungshelferin genutzt, um der Frau im April vergangenen Jahres ein Portemonnaie mit 60 Euro, Ausweisen und Karten zu stehlen. Teile der Beute wurden einen Monat später bei einer Hausdurchsuchung gefunden, das Geld jedoch war ausgegeben. "Wer Leute wie die Angeklagte zu Besuch hat, muss alle Taschen zunähen", meinte von Oertzen. Dass die Rintelnerin beim Erstgespräch in die fremde Aktentasche gegriffen habe, spricht nach Überzeugung von Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein Bände: "Sie hat das Vertrauen, das die Bewährungshelferin in sie gesetzt hatte, massiv missbraucht." Zudem sei dieAngeklagte dreifache Bewährungsversagerin. "Was soll man da noch sagen?", fragte Rabe von Kühlewein eher rhetorisch. Verteidiger Reiner Wötzel hätte es für sinnvoller gehalten, dass sich seine Mandantin einer Therapie unterzieht, anstatt ins Gefängnis zu gehen. Ein entsprechender Paragraph im Betäubungsmittelgesetz hält diese Möglichkeit offen. Die 40-Jährige ist nach eigener Darstellung "mit Unterbrechungen seit 25 Jahren drogensüchtig" und wiederholt rückfällig geworden. Bei den Vorstrafen handelt es sich zum großen Teil um so genannte Beschaffungskriminalität, um an Geld für Heroin zu kommen. Zum Zeitpunkt des Diebstahls in Bückeburg litt die Frau offenbar unter Entzugserscheinungen. Mit ihrem Urteil bestätigte die Berufungskammer ein vorausgegangenes Urteil des Amtsgerichts (wir berichteten). Nun hat die Angeklagte noch die Möglichkeit, Revision beim Oberlandesgericht einzulegen.

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