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Riesen-Stimmung im Brückentor: "...uns geht's besser als Stadthagen!" / Uli Goebel überzeugt in der Bütt

RCV-Karneval: Schön war's diesmal, unbedingt!

Rinteln. Obwohl der Brückentorsaal als närrische Bastion der RCV-Prunksitzung durchaus eine Hundertschaft Amüsierwilliger mehr hätte fassen können, war die Stimmung in den karnevalistisch geschmückten Räumen von Anfang an da: Wesentlich mehr Besucher als sonst hatten sich aktiv auf das jecke Vergnügen eingestellt und sich in bunte Kostümierungen geworfen. Da waren Cowboys und alte Römer, Hexen und Teufel - und wer gar nichts darstellte, hatte sich in vielen Fällen wenigstens zur knalligen Krawatte, zum feschen Hütchen oder zur gewagten Strähne im Haar entschlossen.

In den Stimmungsliederreigen von Günters Party-Band platzt schließlich der erste Tusch: Narhallamarsch mit Einzug von RCV-Elferrat, Tollitäten, Lieblichkeiten, Präsidenten - und mit Gästen auch aus Hameln, Hessisch Oldendorf und Auetal. Die Beinchen der Gardemädels fliegen deutlich höher als bis zur Nasenspitze und wenn die erste Bütt des jecken Juristen Thomas Deist aus Celle auch im Morgenrock vorgetragen wird, so erweist sich der Gast doch mit kommunal- wie bundespolitisch orientierten Frechheiten und dezenten Ferkeleien über den Trend zum Zweitschwanz als ausgeschlafenes Kerlchen. Ganz schön voodoomäßig der Auftritt der Africa-Showtanztruppe vom CCH aus Hameln - als exotischer Wegbereiter sozusagen für Salvatore, den Mafia-Vertreter aus Palermo, der mit entsprechendem Akzent plaudernd mit Hütchenspiel, Kartentricks und anderen Zaubereien zu verblüffen weiß. Hinter dieser schrägen Type steckt der hannoversche Kleinkünstler Matthias Reeck, der an diesem Abend effektvoll zur guten Laune beiträgt. Zu den Klängen vom "Cotton Eyed Joe" wirbeln die OCC-Mädels über die Bühne und heizen den Saal für den Einstieg von Ulrich Goebel in die Zunft der Büttenredner vor. Der Rintelner Ortsbürgermeister hat sich für seinen Auftritt als Leichtmatrose im gelben Ölzeug kostümiert - und dieser christdemokratische Klabautermann, er lässt als guter Geist nun wirklich kein Thema von der kleinen und großen Bühne der Politik aus, wobei er seine Dreistigkeiten mit wohltuender Gleichmäßigkeit an die Politiker aller Richtungen verteilt und auch die Rintelner Parteifreunde nicht ungeschoren davonkommen lässt - zwischenzeitlich gar im rappenden Sprechgesang gegen Müllverbrennung, gewissenlose Arbeitsplatzvernichter und Gesundheitsreformer: "Betrogen ist der Arzt und der Patient / der schneller dann im Totenhemd!"oder auch "Volkswagen war mal Markenzeichen / für Verkehr weltweit muss es jetzt weichen!" Im RCV-Männerballett dreht sich diesmal alles um den Fußball - kein Wunder bei den prachtvollen Macho-Waden dieser ausgeflippten Kerle, die damit so manches Frauenherz betören. Die "Rintelner Jungs" ergeben sich zwischendurch immer wieder dem Gesang - und das in hörens- und staunenswerter Qualität, live und ohne Playback und mit innigem Schmelz. Dass die selbst gereimten Texte zu den großen Hits auch inhaltlich die Tonlage treffen, wird mit tosendem Applaus und diversen Orden honoriert: "Rintelner Jungs, die küssen gut / wie die Stars in Hollywood." Als dynamischer Wirbelwind fegt anschließend Funkenmariechen Christina aus Hameln über die Bretter - mit ihrem Talent würde sie sicher auch bei den großen Sitzungen in Köln und Düsseldorf Furore machen. Und auch die spontan dazugekommene Showtanzgruppe aus Rolfshagen und die Hamelner Garde beweisen ganz große Klasse. Eine wirklich angemessene Umrahmung für Hans-Hermann Stöckl, der einmal mehr als Nachtwächter vom Marktplatz aus den Weg in die Rintelner Narhalla gefunden hat. Ob die vertrackte CDU-Kandidatenkür in Rinteln oder sonstige Querelen im Rat, der Nachtwächter macht sich auf alles einen Reim: "Für Sasse ist es doch längst Kult / Buchholz ist an allem schuld. Frühmark denkt an übermorgen / will gleich den Schröder mit entsorgen. Neuhäuser mault gar schwer gekränkt / das Weichei gehört aufgehängt!" Das Resümee allerdings fällt für Rinteln doch noch ganz positiv aus, trotz Müllverbrennung, rutschender Berge und Parkleitsystem: "Trotzdem wollen wir nicht klagen / uns geht es besser als Stadthagen." Anschließend rockt Uli Seidel als wackerer Obelix mit frecher Schnauze und kühner Pose über die Bühne, bevor die zauberhafte Fummeltrine Jacqueline aus Hildesheim als leicht versaute Königin der Nacht den Ton angibt. Dass die Travestieschöne mit dem bürgerlichen Namen Thorsten Deichfuß sich auch darauf versteht, Stimmungslieder wie "Eviva España" mit Ballermann-geschulter Wucht vorzutragen, hebt Jacqueline deutlich hervor aus der üblichen Schar der Herren Damen, so dass eigentlich niemand sie gehen lassen will. Großes Finale mit Feuerwerk und Musik: Schön war's, unbedingt! Was wohl auch die Ehrengäste so empfinden: Ob Landtagsabgeordneter Joachim Runkel oder Erster Stadtrat Jörg Schröder - sie alle harren bei Schaumburger Bier und Rintelner Deftigkeiten aus, bis der letzte Ton verklungen ist. Und man hat durchaus nicht den Eindruck, dass sie den Abend als Pflichtübung empfunden haben...

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