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Ehemalige Lehrerin fordert mehr Transparenz in den Schulen

"Rangordnung wird schon in der Grundschule ausgeprügelt"

Rodenberg (tes). Als Reaktion auf die Berichteüber die Stadtschule hat die Grundschullehrerin im Ruhestand Inge Schnabel mehr Demokratie in der Schule und mehr Transparenz im System gefordert. Zudem müsse die Prävention früher ansetzen: Die Grundschulen seien die "Zulieferer" der Hauptschulen.

"Viele Kinder sind keine unbeschriebenen Blätter mehr, wenn sie in die fünfte Klasse kommen", so Schnabel. Nach ihrer Erfahrung werde schon in der Grundschule "die Rangordnung ausgeprügelt". Lehrer sollten sich nicht davon bluffen lassen, wenn Kämpfe zwischen Schülern "als Spaß tituliert" werden. Nicht zuletzt dann, "wenn immer dieselben Kinder unten liegen". Die Lehrerin ist überzeugt, dass Kinder Regeln wollen, Ordnung und Verlässlichkeit schätzen. Sie müssten wissen: "Wenn ich die Regel verletze, passiert das." Die Kreistagsabgeordnete Gudrun Wolter (SPD) hatte in einem Bericht unserer Zeitung den Lehrern Mut gewünscht, Missstände anzuprangern. Dazu bricht Schnabel eine Lanze für die ehemaligen Kollegen: "Wir Lehrer werden allein gelassen. In der Hierarchie einer Schule können Schulleiter nach Gutsherrenart bestimmen." Probleme einzugestehen, werde oft als pädagogische Schwäche begriffen, bedauert sie. Selbst bei der Begründung für einen Schulwechsel dürfe auf keinen Fall etwas Schlechtes über die alte Schule gesagt werden. Aus eigener Erfahrung weiß die Lehrerin: "Wer was sagt, wird isoliert." Mit wenig produktiven Folgen für die Schüler: "Konflikte werden ausgesessen", warnt Schnabel. Auch sie kenne aus privaten Gesprächen mit Kollegen das Problem, dass durch Unruhe in der Klasse häufig nur zehn Minuten Unterrichtszeit übrig bliebe. Ohnehin hätten Lehrer mit ihrem schlechten Image zu kämpfen, so Schnabel weiter: "Das Ergebnis sind nur positive Presseberichte von Scheckübergaben oder Baumpflanzaktionen." Das Kultusministerium schütze die Schulen, so Schnabel weiter. Die Aussage des Pressesprechers "Die Erarbeitung eines Präventionskonzepts ist ein fortzuschreibender Vorgang" sei für sie unbefriedigend. Es müsse jetzt was getan werden: "Wann wird die Ausbildung der Konfliktschlichter unter den Schülern umgesetzt? Wer kontrolliert das?" Eltern müssten mehr über ihre Rechte wissen und sollten sich nicht scheuen, sich an das Kultusministerium zu wenden, betont sie. "Ich sehe schwarz für Schulen, die nicht lernen, offen mit den Problemen, die es zweifellos überall gibt, umzugehen." Nach ihrer aktiven Zeit als Grundschullehrerin will sich Schnabel jetzt kommunalpolitisch für die Schulen einsetzen. Den Lehrern rät sie, sich gegenseitig zu unterstützen. Weg von der ihrer Meinung nach verbreiteten Einstellung: "Ein guter Lehrer hat keine Probleme." Die Eltern sollten von der Schulleitung Belege und genaue Termine fordern für die Umsetzung des Erlasses zur Gewaltprävention. Sonst sei schnell wieder alles beim Alten.

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