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Gewerkschaft fürchtet um Arbeitsplätze / Lambrecht: "Mitarbeiter stimmen Nullrunde zu"

Privatbrauerei verlässt Tarifgemeinschaft

Stadthagen (sk). Um die Einkommen der Mitarbeiter und deren Arbeitsplätze bei der Schaumburger Privatbrauerei sorgt sich Klaus Twesten, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) in der Region Hannover.

Die Privatbrauerei sei am 31. Dezember 2005 aus der Tarifgemeinschaft der Brauereien Niedersachsens ausgetreten, teilte Twesten am Mittwoch während der Mitgliederversammlung der NGG für den Bereich Schaumburg im Stadtgartencafé mit. Haustarifverhandlungen verweigere die Brauerei mit dem Hinweis auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Das kann Twesten nicht nachvollziehen, denn der Schaumburger Privatbrauerei gehe es relativ gut. Die NGG fordert für die Beschäftigten des Stadthäger Traditionsunternehmens die Übernahme der Tariferhöhung von 1,4 Prozent, die für alle übrigen Brauereien in Niedersachsen vereinbart worden sei. Twesten: "Diese Entgelterhöhung ist für die Brauerei verkraftbar." Die Privatbrauerei bestehe hingegen auf einer "Nullrunde" für die Beschäftigten. Dabei habe man die kleinen Privatbrauereien bereits nur wenig "angehoben", erklärte Twesten und machte geltend, dass die Beschäftigten des Stadthäger Betriebes in den vergangenen Jahren durch niedrige Entgeltabschlüsse bereits ihren Beitrag geleistet hätten zur wirtschaftlichen Gesundung des Unternehmens. Außerdem sei durch die Vereinbarung von "Jahresarbeitskonten" die Bezahlung der Mehrarbeit entfallen. Ein weiterer Lohnverzicht werde dem Unternehmen nicht helfen und angekündigte Umstrukturierungsmaßnahmen in der Brauerei nicht aufhalten, stellte Twesten die Lage dar. Die Sorge um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze werde den Arbeitnehmern nicht genommen. In den vergangenen sechs Jahren sei die Zahl der Beschäftigten in der Privatbrauerei bereits von 34 auf 18 gesunken. Durch Umstrukturierung - wie die Ausgliederung von Unternehmensbereichen - seien selbst diese Jobs nun bedroht. Man habe kein Interesse, die Brauerei in der heutigen Form aufrecht zu erhalten, mutmaßte Twesten: "Da kann ich nur sagen:Otis lässt grüßen." In Sachen Lohnerhöhung sagte Twesten: "Wir steuern auf einen Tarifkonflikt zu." Friedrich-Wilhelm Lambrecht, Geschäftsführer der Privatbrauerei, widersprach auf Nachfrage der Behauptung Twestens, die Brauerei verweigere Haustarifverhandlungen. Im ersten Halbjahr 2006 könnten diese vonstatten gehen. Lambrecht: "Ich bin gesprächsbereit." Einer "Nullrunde", die die Gewerkschaft ablehne, sei von den Mitarbeitern des Unternehmens bereits im September vergangenen Jahres wie auch am 13. Februar zugestimmt worden. Dem Unternehmen gehe es nicht wirklich schlecht. Aber die rasant gestiegenen Gas- und Strompreise trieben die Betriebskosten in die Höhe. Außerdem sei seit 2001 der Bierpreis nicht mehr erhöht worden, wohl aber habe man die tariflichen Lohnerhöhungen mitgemacht, so Lambrecht. Die bewährte Koppelung der Lohn- an die Bierpreiserhöhung gebe es leider nicht mehr. Die Einnahmen sänken. "Und ich kann nichts verteilen, was nichtda ist", so Lambrecht zur gewerkschaftlich geforderten Entgelterhöhung. Dass sich deren Zahl von 2000 bis 2006 um 16 reduziert habe, sei nicht wahr. Lambrecht: "Da hat sich Twesten wohl verrechnet." Mit Blick auf die Umstrukturierungsmaßnahmen des Betriebes kommentierte Lambrecht, es sei "konkret nichts geplant". Vielmehr sei es sein Ziel, langfristig Arbeitsplätze in der Brauerei zu erhalten. Lambrecht "möchte das 150-jährige Bestehen der Privatbrauerei als solche erleben".

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