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Dorfgemeinschaftshaus Goldbeck in Anwesenheit des Landrats offiziell eingeweiht / Programmörtlicher Gruppen

Pilotprojekt: "Unser Reichtum sind die Handwerker"

Goldbeck (who). Manchmal werden Träume eben doch wahr. Für die Goldbecker trifft das ganz sicher zu. In einer Zeit zu der man andernorts über Schließung oder Verkauf der Dorfgemeinschaftshäuser nachdenkt, haben sie eins bekommen.

Für Goldbeck muss auf Grund der besonderen Lage eine Ausnahmeregelung gelten, waren sich zur Einweihung am Sonnabend alle Gäste einig. Das Besondere am Goldbecker Modellprojekt ist: Die Stadt Rinteln hat es bezahlt, den Unterhalt trägt der eigens gegründete Verein "Dorfgemeinschaftshaus Goldbecke.V". Mit den Worten "Es ist geschafft, Goldbeck verfügt über ein neues Schmuckstück", setzte dessen Vorsitzender, Ulrich Zimmermann, zur feierlichen Eröffnung im brechend vollen großen Versammlungsraum den Schlusspunkt hinter die Vorgeschichte. Zimmermann erinnerte an den Beginn: Anfang des Jahres 2004 habe das Haus Goldbecker Straße 2 mit demGetränkemarkt als einzig verbliebenem Geschäft im Dorf verkauft werden sollen. Mit Blick auf die Schließung der Gastwirtschaft als einziger Möglichkeit für größere Zusammenkünfte habe sich dringender Handlungsbedarf ergeben. "Jetzt müssen wir was tun", sei er sich mit dem Taubenberger Ortsbürgermeister Dieter Budde einig gewesen. Wie es weiterging, ist bekannt. Die findigen Goldbecker klopften im Rintelner Rathaus an mit dem Vorschlag: Die Stadt kauft das Haus, wir bauen in Eigeninitiative um. "So geht es nicht" war die Antwort von Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und der Mehrheitsfraktion gewesen. Grund: Die Stadt dachte an die jährlichen Folgekosten und bewegte Gedanken an den Verkauf der Dorfgemeinschaftshäuser. "Deshalb träumten wir zunächst weiter", so Zimmermann. Der neue Vorschlag habe letztlich den Erfolg gebracht mit der pragmatischen Regelung: Die Stadt gibt nur einmal Geld für den Ankauf aus, die Goldbecker gründen ihren Trägerverein mit je einem Vertreter aus allen örtlichen Vereinen, bauen und unterhalten das Objekt in eigener Verantwortung. Über 50 freiwillige Helfer hätten das Projekt innerhalb eines halben Jahres verwirklicht und Tausende von Arbeitsstunden geleistet. Deshalb sei er sich sicher: "Unser Reichtum sind nicht die Mundwerker, sondern die Handwerker." Das Einweihungsprogramm war in diesem Sinne geprägt vom dörflichen Miteinander und Beiträgen der örtlichen Gruppen. Dazu gab unter anderen der entstehende Mädchenchor eine Kostprobe mit dem Lied vom Dorfgemeinschaftshaus. "DGH ist da", verkündeten die Mädchen, die sich erst vor zwei Wochen formiert haben, in Anlehnung an einen Hitparaden-Ohrwurm. "Fleißiges Ehrenamt und gelebte Bürgerkommune", bescheinigte Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier den Goldbeckern. Das Projekt verdiene schon allein deshalb Unterstützung, weil es dazu beitrage, "dass nicht noch mehr Bevölkerung in die Ballungsräume abwandert". Bürgermeister Buchholz erinnerte an die Gebietsreform von 1974. Der Stadt sei es in dem Zusammenhang ein Anliegen gewesen, alle Ortsteile gleichzustellen und dabei in Goldbeck die Voraussetzungen für Infrastruktur und kulturelles Leben im Ort zu erhalten. Im Ortsteil habe es zuletzt weder Gastronomie noch Raum für größere Veranstaltungen gegeben. Deshalb hätten Vereine dafür wiederholt ins benachbarte Nordrhein-Westfalen ausweichen müssen. Das sei jetzt vorbei, denn "das Dorfgemeinschaftshaus Goldbeck ist zu einem Pilotprojekt in der Stadt Rinteln geworden".

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