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Weserberglandfahrt: Großer Empfang bei der Zielankunft am Sonntag auf dem Rintelner Marktplatz

"Oldtimer fahren - das ist wie eine Zeitreise"

Rinteln (wm). Was interessiert einen Normalbürger an Oldtimern? "Schau mal, so ein Opel Rekord mit den Weißwandreifen und der Blumenvase am Armaturenbrett, erinnerst Du Dich, damit sind wir zum ersten Mal nach Italien gefahren!" Oldtimer wecken Erinnerungen - und ein Gefühl dafür, wie schnell die Zeit vergeht. Der Golf I - das ist heute ein Oldtimer und im Originalzustand selten zu kriegen, erzählt Harry Möller vom Motorclub Rinteln im ADAC, der am Sonntag seine 10. Weserberglandfahrt veranstaltet hat: "Entweder haben die Jungs an dem Wagen herumgebastelt oder ihn zu Schrott gefahren."

Als die 134 Oldtimer am Sonntagnachmittag auf den Rintelner Markplatz rollen, erwartet die Fahrer eine applaudierende Menschenmenge, fast jeder hat einen Fotoapparat dabei. Oldtimer verkörpern Geschichte: Der Skoda, Baujahr 1956, gebaut in Bratislava, sei noch 1992 in Leipzig gefahren, erzählt Uwe Kühne und klappt die Motorhaube hoch. Die Umstehenden erstarren in Ehrfurcht, denn das Motörchen verschwindet fast im leeren Raum: "Wie übersichtlich, schau mal, der Vergaser und da, richtige Zündkerzen, da kannste noch alles selber machen. Heute machst du die Motorhaube auf und wieder zu und fährst in die Werkstatt." Selber schrauben - das würden viele Oldtimer-Eigner, berichtet Harry Möller, sonst könne man sich das Hobby nicht leisen, man eigne sich das Know-how eben im Laufe der Jahre an. Und offensichtlich erfolgreich, denn von den gestarteten Fahrzeugen kamen bis auf einen Ausfall alle am Ziel an. Ein Ford Capri parkt neben einem Mercedes 350 SL ein und hat sofort alle Aufmerksamkeit: "Siehst du den Kofferraum, wo die Motorhaube aufhört, da kriegste grade zwei Zahnbürsten rein." Ein Jaguar-E-Chauffeur entfaltet sich aus dem super-engen Cockpit und genießt die Bewunderung der Umstehenden: Selbstverständlich sei er damit aus Hannover angereist, "der ist zum Fahren da, nicht nur zum Anschauen". 65 000 Meilen hat der J-E auf dem Tacho, "den zu fahren - das ist wie eine Zeitreise". "Früher hatten Autos noch ein Gesicht wie der Cadillac mit der Haifischflosse", erinnert sich eine Seniorin, "und Spitznamen, TR 5 - der Frosch, Ford Taunus - die Badewanne. Einen Mini Cooper mit Dachgepäckträger aus Holz, wo gibt es so was denn noch?" Nur die Citroëns, hydraulisch tiefergelegt, nehmen sich auch heute noch ausgesprochen futuristisch aus. Dass da Oldtimer auf den Marktplatz abbiegen, kann man hören - die Motoren klingen ganz anders als heute - und riechen: Manche fahren mit Zusatzstoffen, weil es kein verbleites Benzin mehr gibt. Als ältester Wagen am Start, der klaglos dierund 150 Kilometer abspulte: Ein Reo, Baujahr 1912, der Bückeburger Christian und Liesel Schrenk. Gesamtsieger wurden Wilfried Jahns und Diana Lichtblau Jahns mit ihrer Alfa Romeo Guilia SS. Den Damenpokal gewannen Andrea Wetzel und Renate Tilgner auf einem Fiat 850 Coupe.

  • Augenmaß: Lars Schock parkt seinen Mercedes 350 SL zwischen Bierkisten-Stapeln bei der Barre-Brauerei in Lübbecke.
  • Macht hoch die Tür: Isetta und Messerschmitt.
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