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Christian Dornbusch referiert im Schulzentrumüber Rechtsrock / Organisatoren enttäuscht: Nur 17 Zuhörer kommen

"Nicht weghören!": Wie Musik zur politischen Gefahr wird

Obernkirchen (gs). "Ich hätte wesentlich mehr interessierte Eltern erwartet!" So macht Julia Wiersig, Schulsozialarbeiterin des Schulzentrums Obernkirchen, ihrer Enttäuschung Luft. Von den 17 Interessenten, die dem Referat zum Thema "Rechtsrock" zuhörten und sich im Anschluss engagiert an der Diskussion beteiligten, sind die meisten ohnehin in das Projekt involviert. Auf Einladung des Jugendrings und des Schulzentrums referierte Christian Dornbusch von der Arbeitsstelle Neonazismus Düsseldorf am Montagabend über die Gefahren des Rechtsrock als Einstieg in die rechte Szene.

"Dabei sollten gerade Elternüber die neue Musikkultur der rechten Szene Bescheid wissen", fordert auch Dornbusch, der nach der Veröffentlichung seines Buches zu diesem Thema ernst zu nehmende Drohungen von der rechten Szene erhält. So ernste Drohungen, dass er nicht für die Zeitung fotografiert werden möchte. "Der Bandleader der Punkgruppe ,Skrewdriver' aus England hat Anfang der achtziger Jahre als Erster neonazistisches Gedankengut in seine Musikrichtung transportiert", berichtet Dornbusch von den Anfängen des Rechtsrock. Heute ist hingegen Deutschland Dreh- und Angelpunkt der rechten Musikszene: Von Rock über Schlager, Techno, Heavy Metal bis Balladen hat sich laut Dornbusch eine große Stilvielfalt gebildet. "Sänger wie zum Beispiel der in der Szene bekannte Frank Rennike transportieren ihre Botschaft stilistisch so, dass keine rechtlichen Schritte dagegen möglich sind." Dornbusch machte dabei deutlich, dass die Vorteile der musikalischenÜbermittlung von Botschaften den rechten Bands durchaus präsent sind. Er zitierte eine Aussage der Band "Landser" von 1999: "Rockmusik hat gegenüber Büchern, Demonstrationen und Flugblättern den Vorteil, dass man sie sich täglich wieder reinziehen kann, ohne dass es langweilig wird." Deren Bandleader Michael Regener, genannt "Lunikoff", gilt als Märtyrer der Szene. Seine Band ist als kriminelle Vereinigung verurteilt worden, was ihn nicht davon abhält, weiter tätig zu sein, nur vorsichtiger. Auch auf versteckte Gefahren ging Dornbusch ein: So war die vor Schulhöfen und Jugendzentren verteilte "Schulhof-CD" 2005 ein Renner aus dem klassischen Rockbereich, deren Lieder versteckte Botschaften enthalten und somit nicht sofort als rechts einzuordnen sind. Und Neonazi-Magazine wie "Unsere Welt" werben mit der für Jugendliche attraktiven Möglichkeit, zu einem Konzert nach England zu kommen. Dasäußere Erscheinungsbild der rechtsradikalen Jugendlichen ist nicht mehr nur Glatze und Springerstiefel. "Palästinensertuch und Ché Guevara-Shirt sind mittlerweile Symbole auch der rechten Szene, lange Haare und Turnschuhe sind nicht unüblich", informierte Dornbusch. Internetforen seien ein ideales Medium zur Kommunikation, und aus dem Internet werde illegale Musik auf MP3-Player heruntergeladen. "Erziehung zur Demokratie beginnt im Elternhaus, und Konfliktkultur muss wesentlich ausgeprägter im Schulalltag gelernt werden", forderte Dirk Assel, Vorsitzender des Kreisjugendrings Schaumburg, in der anschließenden Diskussionsrunde. Wenn die Jugendlichen, "Einstiegsalter 12 bis 14 Jahre" (Assel), erst mal in die rechte Szene abgerutscht seien, würden sie kaum mehr erreicht, und manstehe ihnen mit Argumenten "hilflos gegenüber", wie ein Lehrer der Schule aus eigener Erfahrung berichtet: "Wenn ich geschichtliche Fakten mit den Schülern erarbeiten will, so sind Jugendliche durch die Dauerbeschallung rechtsradikaler Texte schon vorgeprägt." Mehr Informationen zum Thema Rechtsrock liefert die Multimedia-Ausstellung, die noch bis morgen im Schulzentrum Obernkirchen besucht werden kann.

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