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Vor Gericht: Staatsanwaltschaft sieht in 44-jährigem Buchholzer einen Fall für die Psychiatrie

Nachbarn sind weiter in Angst vor Terror

Buchholz/Bückeburg (ly). Karatetritte gegen Autos, Morddrohungen gegen Nachbarn, Widerstand gegen Polizeibeamte: In einem 44-Jährigen aus Buchholz sieht die Bückeburger Staatsanwaltschaft einen Fall für die Psychiatrie. Seit gestern muss der Eilser sich vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts verantworten.

Vorgeworfen werden ihm unter anderem Bedrohung, Beleidigung und gefährliche Körperverletzung. Staatsanwalt Rainer Kaul geht von einer krankhaften seelischen Störung aus, spricht von einer Gefahr für die Allgemeinheit und verfolgt das Ziel, die Unterbringung des Mannes in der geschlossenen Abteilung eines Landeskrankenhauses anzuordnen. Beim Prozessauftakt wurde deutlich, dass die Nachbarn unverändert Angst vor Terror haben, obwohl der Buchholzer bereits einstweilig in der Psychiatrie untergebracht ist. So machte ein Zeuge (69), der den 44-Jährigen seit dessen Geburt kennt, gleich nach Betreten des Gerichtssaals klar, dass er nichts sagen will, solange der Angeklagte im Raum ist. "Sonsthaben wir keine Ruhe mehr vor ihm." Etwas zögerlich rückte der Rentner dann doch noch mit der Sprache heraus. "Man macht sich kein Bild, was dieser Mensch uns angetan hat", erklärte er. Sämtliche Nachbarn seien über Jahre beschimpft worden, "alte Sau" sei dabei "noch harmlos" gewesen. Weil der Zeuge zumindest die hässlichsten Wörter nicht aussprechen mochte, schrieb er sie Richter Börries Freiherr von Hammerstein auf einen Zettel. Um vier Taten dreht sich der Prozess. Im Februar vergangenen Jahres soll der Buchholzer vor seinem Haus dermaßen in Rage über vorbeifahrende Autos geraten sein, dass er einen der Wagen "wie ein Karatekämpfer" mit ausgestrecktem Bein angesprungen habe, heißt es in der Anklageschrift. Keine zwei Wochen später soll eine Nachbarin, die am Fenster stand, unter anderem als "Schlampe" beschimpft und mit demTode bedroht worden sein: "Dich kriege ich, dich stech' ich ab." Laut Anklageschrift machte der 44-Jährige dazu eine Geste, als wolle er der Frau die Kehle durchschneiden. Seiner von ihm getrennt lebenden Gattin soll der Eilser im Mai 2005 in Laatzen aufgelauert haben, um das Opfer mit Tritten und Faustschlägen zu traktieren. Fünf Polizisten, die sich laut Anklage als "Würstchen" bezeichnen lassen mussten, brachten den mutmaßlichen Aggressor zur Blutabnahme in ein Krankenhaus. Dort soll er sich Mann mit den Beamten eine Rangelei geliefert haben. Einen Teil der Vorwürfe räumt der Angeklagte mehr oder weniger ein, insbesondere körperliche Angriffe gegen seine Ex-Frau bestreitet er empört: "Totaler Blödsinn, das lasse ich mir nicht bieten." Auch das Verhältnis zu den Nachbarn beschreibt der 44-Jährige als halbwegs normal. Vor Gericht neigt er zu Gefühlsausbrüchen und fährt wiederholt Zeugen an: "Was erzählen sie da eigentlich?" Der Prozess wird fortgesetzt.

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