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200. Kurgastwanderung hinauf zum Turm: "Klippen-Jürgen" feiert mit 30 Freunden über Rinteln

Mit Tropfen von "Brocken-Benno" in den Nebel

Bad Eilsen (aj). Seit dem 1. Januar 1999 wandert Jürgen Freitag, besser bekannt als Klippen-Jürgen, fast jeden Tag und auch bei Wind und Wetter vom Gästehaus in Bad Eilsen zum Klippenturm. Seit seinem 500. Aufstieg im Jahr 2001 führt er auch Bad Eilser Kurgäste auf die Luhdener Klippen. Bei seinem 1423. Aufstieg machte Jürgen Freitag am Donnerstag auch im Auftrag der Bad Eilser Kurverwaltung seine 200. Kurgastwanderung - leider ohne die üblichen zehn Kurgäste.

"Es muss am Wetter liegen, dass kein Kurgast mitkommen will", meint Jürgen Freitag und blickt in den grauen Himmel. Trotz der eisigen Kälte wollen aber die Bad Eilser Kurt Wiese, Rolf Everding und Fritz Buschmeier sowie Heinz Köcher aus Heeßen mit "Klippen-Jürgen" die heimische Bergwelt erkunden. Außer für Kurt Wiese, der die Strecke mit seinem Kameraden Jürgen Freitag regelmäßig wandert, wollen alle anderen zum ersten Mal die etwa vier bis sechs Kilometer lange Strecke zum Luhdener Klippenturm hinaufsteigen. Pünktlich um 13.30 Uhr verabschiedet Bad Eilsens Ortsbürgermeister Horst Rinne die wetterfest gekleidete Gruppe zum Jubiläumsaufstieg. Es geht zuerst ein Stück den Harrl hinauf. Doch dann lenkt Jürgen Freitag den Weg an der Waldkante entlang in Richtung Golfplatz. "Von hieraus kann man normalerweise den Klippenturm schon sehen", meint Klippen-Jürgen mit einem Blick in Richtung der im Nebel mehr hör- als sichtbaren Brückenbögen der Autobahn Hannover-Dortmund. Für die entgangene Fernsicht entschädigt die Wanderer ein riesiger einzelner Baum, der über und über mit Raureif bedeckt ist und im fahlen Licht des Himmels silbrig schimmert. Munteren Schrittes geht es nun, durch die Neubausiedlung am Golfplatz vorbei,über die Bundesstraße 83 und durch Luhden in Richtung Autobahnunterführung. "Je nach Kondition der Teilnehmer, brauchen wir eine Stunde für eine Strecke der Sechskilometerroute oder eineinhalb Stunden für den direkten Weg von vier Kilometern Länge", erklärt Jürgen Freitag in Luhden. Da noch alle gut zu Fuß sind, aber außer Klippen-Jürgen und seinem Wanderkameraden Kurt Wiese den Weg zum ersten Mal gehen, entscheidet man sichfür die Sechskilometervariante in normaler Schrittgeschwindigkeit. Bevor es endgültig in den Bergwald geht, spendiert Klippen-Jürgen einen ganz besonderen Tropfen, den er von seinem Freund "Brocken-Benno" aus dem Harz bekommen hat. Brocken-Benno, der mit bürgerlichem Nahmen Benno Schmidt heißt, und Jürgen Freitag kennen sich seit Bennos vierter Brockenwanderung. Jürgen Schmidt wohnte damals noch in Braunschweig. Am Neujahrsmorgen 1990 wurde ihm Benno Schmidt als Bergführer für den Weg von Bad Harzburg zum Gipfel des Brocken zugeteilt. Seither kennen sich die beiden und wurden auf zahlreichen Harzwanderungen Freunde. "Benno war auch schon zweimal mit auf dem Klippenturm", sagt Jürgen Freitag. "Zu meinem 1000. Aufstieg hat er mir diese Flasche hier geschenkt." Nach dieser kleinen Stärkung unter der Autobahnbrücke geht es nun in den Wald. Nun wird auch den letzten Wanderern unter ihren Jacken warm. Denn es ist windgeschützter als auf den Feldern und der Weg auch etwas steiler. Wegen der traumhaften Winterlandschaft ringsherum fällt das aber kaum einem der Wanderer auf. DerSchnee knirscht unter den Schuhen und man kann die Eiskristalle auf den Zweigen im Licht blitzen sehen. Das Rauschen auf der Autobahn entfernt sich rasch und weicht mehr und mehr einem leichten Schnaufen der Wanderer. - so ruhig ist es. Mit den Worten "Na, eine kleine Steigung wollen wir dann doch noch einbauen" unterbricht Jürgen Freitag die Gespräche und biegt vom Forstweg auf einen kleineren Waldpfad ab. Nun geht es direkt bergauf, und die Schritte werden immer kürzer, damit die Luft nicht zu knapp wird. "Da atmest Du jetzt jede Zigarette einzeln aus", witzelt Rolf Everding zwischen zwei schnaufenden Atemzügen. Doch Dank der zahlreichen Zwischenstopps mit je einem Schluck von Brocken-Bennos Zaubertrank aus Klippen-Jürgens Flasche rückt der Turm schon bald in greifbare Nähe. "Im Sommer kann man den Turm zwar von hier aus auch nicht sehen, weil dann Blätter davor sind", meint Kurt Wiese plötzlich. "Wir sind jetzt aber schon fast da." Tatsächlich, eine lange Biegung später sind alle wohlbehalten oben angekommen. Die Turmspitze verschwindet bereits etwas im Hochnebel. Und auch sonst ist bis auf die Baumstämme, den Turm und die Turmschänke alles weiß vom Schnee und von der Bewölkung. "Je nach der Menge an Turmtropfen kann man bis nach Bremen gucken", tröstet uns Jürgen Freitag beim Betreten der Gaststätte. In der Klippenturmgaststätte gibt es dann ein überraschendes Hallo. Fast alle Wanderfreunde von Klippen-Jürgen sind bereits in der Turmgaststätte des Rintelner Verschönerungsvereins anwesend. Neben dem Vorsitzenden Fred Hoppe und seinen Kameraden vom Verschönerungsverein sind auch die Boulefreunde Luhden und Stefan Weichert mit seinen Polizeikollegen gekommen. Und auch Christian Schneider, der sonst immer mit dem Fahrrad aus Porta Westfalica kommt, hat den Weg durch den Schnee mit dem Bus und zu Fuß dann doch noch geschafft. Nach einer ausgiebigen Stärkung und einige Jubiläumsschnäpse später ist beim Verlassen des Lokals Bremen zwar immer noch nicht zu sehen, aber Rinteln bereits deutlich zu erkennen.

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