weather-image
Kabarett vom Feinsten: Er hastet, dreht, spielt, hisst Fahnen oder wedelt Staub - und das alles, ohne auch nur einmal den Mund zu halten

Mathias Richling völlig außer Atem - das begeisterte Publikum auch

Bückeburg. Er gilt als der Kabarettist schlechthin: Mathias Richling. Dieser "Scheibenwischer"-Schwabe hat nun mit seinem Programm "Richling waas?!" (Untertitel: "Irritationen") auch im ausverkauften Rathaussaal für ein absolutes Highlight gesorgt.

Gibt es das wirklich zu kaufen? Diesen schwarz-rot-goldenen Staubwedel und den Strampelanzug in den Nationalfarben? In Richlings urigem Requisitenvorrat sind diese Stücke jedenfalls zu finden. Der Mime hastet und wischt damit fahrig hin und her, dreht nervös an seiner Brille, zieht die Jacke an und wieder aus, klettert irgendwo hoch und wieder herab - und alles, ohne auch nur einmal den Mund zu halten. Wenn er mit kippender Stimme drauflos babbelt, ist es fast unmöglich, alle Satire aus seinem Redefluss herauszufischen. Er haspelt, schwäbelt, fabuliert, und der Zuhörer muss dabei immer auf Draht sein, schließlich hagelt es Pointen, gern auch mal so radikal und böse, dass vielen Zuschauern kurzzeitig das Lachen vergeht. Gags folgen auf spitzfindige Bemerkungen, Kalauer auf hintersinnige Gemeinheiten, dieses in einem Tempo, das fürwahr atemberaubend ist. Und wie sich das Schnell-Sprech-Wunder manchmal an die Themenüber mehrere absurd erscheinende Umwege gleichsam heranpirscht und immer den Nagel auf den Kopf trifft, ist und bleibt famos. Rhetorische Fehlleistungen derer, die politisch etwas zu sagen, aber genau damit ihre Schwierigkeiten haben, werden von dem gebürtigen Stuttgarter lustvoll vorgeführt undanschließend genüßlich zerpflückt. Der quicklebendige Gast zeigt, dass er sich - im Gegensatz zu anderen "Scheibenwischer"-Kollegen - durchaus auf Comedy-fähige Possen versteht. Etwa wenn er sich in Bezug auf die Vogelgrippe fragt: "Die Kanzlerin fliegt überall rum in der Welt, was überträgt sie eigentlich?" Oder sich den deutschen Tugenden mit Sinn für Nonsens nähert, indem er verkündet, er sei stolz auf sein Land: "Shakespeare, Döner, Ikea - alles deutsche Tugenden" und über Frau Däubler und Frau Gmelin kalauert: "Ich glaub', die sind sogar verheiratet." Richling spielt mit Worten und liefert absurdüberzeugende Einsichten ("Wenn Sie nicht wählen, müssen Sie wissen, wen, sonst regiert jemand, den Sie gewählt hätten, dann hätten Sie ja auch wählen können."). Dazwischen schlägt er die ganz großen Bögen. Sein Wortfluss mäandert dahin, von Religion ("wunderbare Art der Nächstenlüge")und Glauben zu Konzernen, die die Welt regieren, zur Kindererziehung und noch ein paar Schleifen weiter zur Nazigröße Hitler und dem damit nicht vergleichbaren "kleinen Schurken Bush". Zwischendurch erheitert das Schnellsprech-Genie mit Parodien. Es trifft Bioleks meckerndes Gelächter genauso gut wie Stoibers Gestottere, Merkels Gemähre und Ulla Schmidts Nasalslang. Am Ende des vom Kulturverein organisierten Abends: Kabarettist außer Atem, Publikum desgleichen, begeisterter Applaus.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare