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Alain Juppé

Literaturliebhaber aus einfachen Verhältnissen

Paris (dpa) - Alain Juppé ist ein ungewöhnlicher Hoffnungsträger. Der 71-Jährige ist ein Karrierepolitiker durch und durch. Er gilt wahlweise als langweilig oder schroff-autoritär - trotzdem führt Juppé regelmäßig Ranglisten der beliebtesten Politiker Frankreichs an.

Im Vorwahlkampf positionierte er sich als Versöhner, der auch die Mitte der Gesellschaft erreichen kann. «Über die Jahre hat er schließlich einem deutschen Christdemokraten geähnelt», schreibt die Zeitung «Le Monde» über Juppés Entwicklung. Auch Linke, die ihrem eigenen Lager keine große Chance mehr ausrechnen, sehen ihn als bestes Bollwerk gegen einen Wahlsieg der Rechtspopulistin Marine Le Pen. Dafür löst er bei der konservativen Basis weniger Begeisterung aus - wohl ein Grund, warum er nun aus der Rolle des haushohen Favoriten für die konservative Präsidentschaftskandidatur abstürzte.

Politisch geprägt wurde der aus einfachen Verhältnissen stammende Juppé vor allem von Ex-Präsident Jacques Chirac. Unter ihm war er unter anderem Premierminister (1995-1997) und Außenminister (1993-1995). Im Kampf um Chiracs Nachfolge als Führungsfigur der Konservativen unterlag er allerdings Nicolas Sarkozy. Dieser ernannte Juppé 2011 zum zweiten Mal zum Außenminister.

2004 hatte Juppé die politische Szene verlassen müssen, nachdem er im Zusammenhang mit einer Parteispendenaffäre zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Derzeit ist der am 15. August 1945 im südwestfranzösischen Mont-de-Marsan geborene Literaturliebhaber Bürgermeister von Bordeaux.

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