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Jüdische Mitbürger geehrt: Nach der Stolperstein-Verlegung findet Enkelin alten Tresorschlüssel

"Lebensweg meiner Großeltern verbildlicht"

Bückeburg (rc). Die Verlegung der ersten sieben Stolpersteine in Bückeburg im November war für zwei Nachfahren ehemaliger jüdischer Mitbürger der Stadt noch aus einem zweiten Grund ein besonderes Erlebnis. Bei einem Besuch in dem Haus Lange Straße 15, in dem vor der Verschleppung durch die Nazi-Schergen ihr Großvater lebte, fand Vera Heim noch den Schlüssel für einen Tresor, der dort dereinst zur Aufbewahrung von Geld und wichtigen Geschäftsunterlagen gestanden hatte.

Vera Heim, Tochter von Gertrud Wertheim beziehungsweise Enkelin von Albert und Elise Wertheim, war in Begleitung ihrer Tochter Nicola zur Stolperstein-Verlegung angereist. Nach der Verabschiedung am Rathaus, wo die beiden letzten Stolpersteine verlegt worden waren, kehrten Vera und Nicola Heim noch einmal zum Haus ihrer Großeltern zurück. Im Geschäftsbereich wurde dort seinerzeit von Grund auf renoviert. Der Hausverwalter führte die beiden Heims freundlicherweise durchs Haus, zunächst durch den Geschäftsbereich im Erdgeschoss, dann durch den ehemaligen Wohnbereich im ersten Stock. Hier war zu Wertheims Zeiten ein Tresorraum, der jetzt absolut leer stand. Frau Heim kannte diesen Raum und den "großen Tresor" aus den Erzählungen ihrer Mutter Gertrud. Vera Heims Tochter Nicola entdeckte dann den Tresorschlüssel, der tatsächlich noch in einer Wandnische hing mit einem handgeschriebenen Anhänger "Tresorschlüssel" sowie der Inschrift "Bodes Geldschrankfabrik Hannover". Es ist davon auszugehen, dass dies tatsächlich noch der Schlüssel ist, den Albert Wertheim für seinen Geldschrank benutzte. Der Hausverwalter gab Nicola Heim den Schlüssel als Erinnerung an ihren Urgroßvater mit. Nicola Heim schrieb der Geschichtswerkstatt zu ihrem Besuch in Bückeburg zusammenfassend: "Der Aufenthalt in Bückeburg war sehr interessant und bewegend zugleich und hat mir so manche Geschichte meiner Großmutter verbildlicht und näher gebracht." Im November 2006 gibt es in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Staatsarchiv Bückeburg eine Ausstellung im Schloss "10 Jahre Geschichtswerkstatt Herderschule Bückeburg", in der ausgewählte Projekte der Geschichtswerkstatt gezeigt werden. Dabei gibt es dann auch eine Vitrine zur Kaufmannsfamilie Wertheim, und es soll dann auch dieser Tresorschlüssel ausgestellt werden. Vera und Nicola Heim sind bereits zu besagter Ausstellung eingeladen worden.

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