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(Fisch-)Marktschreier kommen nicht auf ihre Kosten / Die fetten Jahre sind vorbei / Der Sonnabend fällt fast völlig aus

"Leben die Bad Eilser denn nur von Luft und Liebe?"

Bad Eilsen (sig). Eine handverlesene Besucherschar war am Sonnabendmorgen dabei, als Bürgermeister Horst Rinne das erste Matjesfilet probierte. Den Auftakt des Fischmarktes auf dem Gelände des Schützenplatzes hatte sich das Gemeindeoberhaupt sicherlich anders vorgestellt. Das gilt auch für die angereisten Marktschreier. Irgendwie blieb den sonst nicht zu überhörenden Händlerndas Wort im Halse stecken. Es schneite und war bitter kalt. So blieb der ganze Tag, und der erhoffte Umsatz blieb aus.

"Diesen Tag konnten wir auch im Bett verbringen", sagte uns einer der Marktschreier und schaute vorwurfsvoll gen Himmel. Petrus mag ihn erhört haben, denn am Sonntag schien die Sonne - mit dem Ergebnis, dass dann doch in der Mittagszeit ein stärkerer Besucherstrom einsetzte. Natürlich sorgte auch das gleichzeitig stattfindende Krokusfest für zusätzliche Gäste. Aber so gut wie in den Vorjahren war diesmal das Geschäft nicht. Ob geräucherte Aale, volle Obstkörbe, italienische Nudeln, Chips, Eimer voll Käse und "Wattwürmer" aus Salami - der Verkauf lief schleppend. "Ich kenne die Bad Eilser nicht wieder; sind die alle ausgetauscht, oder leben die jetzt nur noch von Luft und Liebe?" rief der Obstverkäuferaus. Die große Zeit der Marktschreier scheint vorbei zu sein. Auch das vergangene Jahr lief für sie schon nicht gut, war von ihnen zu hören. Mit ein paar flotten Sprüchen versuchten sie, sich gegenseitig bei Laune zu halten. "Ich biete Ihnen satte 40 Zentimeter Spaß und Genuss", rief der Wursthändler aus. Und als jemand mit einer Tüte von Nudeln an seinem Wagen vorbeiging, fragte er: "Hast Du Streugut gekauft?" Etwas mehr gestöbert wurde an den Ständen, die allerlei Kurzwaren, Textilien, Spiele, Uhren, Tees und Gewürze anboten. Auch der Zapfhahn des Bierstandes tropfte reichlich unbenutzt vor sich hin. Ständig etwas zu tun gab es lediglich an dem Riesenschwenkgrill. Die Chefgrillerin verriet uns, dass sie aus dem Schwarzwald kommt. Ihre "Bratwurst Thüringer Art" wird auch dort hergestellt, aber bei 800 verschiedenen Rezepten für diese Spezialität komme es ja auf eine Rezeptur mehr oder weniger nicht an. Recht hat sie, ihr Produkt löste jedenfalls eine rege Nachfrage aus.

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