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Heidrun Kuhlmann und die Suche nach der Freiheitüber den Wolken

"Lassen Sie sich bloß nicht die Luft zum Atmen nehmen!"

Obernkirchen (sig). Sie tritt ans Rednerpult, und im Saal macht sich entspannte Erwartung breit. Innerhalb kürzester Zeit verstummen die Gespräche. Heidrun Kuhlmann fordert keine Aufmerksamkeit, aber sie bekommt sie. Bei so manchem Redner schauen die Zuhörer schon früh auf die Uhr. Aber wenn die Architektin aus Borstel spricht, vergeht die Zeit wie im Fluge. Selbst nach einer Stunde besteht der Eindruck, sie habe doch erst richtig begonnen. Diese Erfahrung machten am Sonnabend wieder die Obernkirchener Landfrauen, die sich erstmalig zu einem Frauenfrühstück trafen.

Freie Stühle gab es im Restaurant "Am Sonnenbrink" nicht mehr, als die 1. Vorsitzende Wilma Klostermann die große Runde begrüßte. Nach einem Blick über den vollen Saal war ihr klar: "Dieses Echo heischt nach Wiederholung!" Heidrun Kuhlmann als Referentin und dazu ein überaus reich gedecktes Frühstücksbüfett - das war eine zugkräftige Kombination. Und schließlich verhieß das Reinhard Mey nachempfundene Motto "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein", dass da besondere Gefühle mitschwingen. "Dort oben wird alles, was uns groß und wichtig erscheint, winzig und klein" - an dieses Gefühl erinnerten sich viele Zuhörerinnen. Heidrun Kuhlmann benutzte es als Aufforderung, das Bemühen um innere Freiheit nie aufzugeben. Damit meinte sie nicht irgendwelche Egoismen und eingeforderten Rechte, sondern den Rückzugsraum, den jeder Mensch benötigt, um alle Zwänge hinter sich zu lassen und innere Einkehr zu halten. Anhand der ganz unterschiedlichen Lebenssituationen von drei Frauen schilderte Heidrun Kuhlmann anschaulich, was sie als notwendiges Maß innerer Freiheit ansieht. Es dürfe eben nicht so sein, wie Eugen Roth einst hintergründig formulierte: "Ein Mensch sagt und ist stolz darauf, er geh` in seinen Pflichten auf. Bald aber, nicht mehr so ganz munter, geht er in seinen Pflichten unter." Man sollte Abstand halten von solchen Menschen, die einem ständig ein schlechtes Gewissen machen, die kein Gespür haben für die Grenzen des Anderen und ständig mit ihren Stimmungen und Erwartungen an einem zerren. Auch eine Erziehung, die keine Grenzen setze, werde von den Kindern nicht als Freiheit und Liebe, sondern als Gleichgültigkeit empfunden. Eine nachdrückliche Empfehlung der Referentin lautete: "Lassen Sie keinen Menschen so nahe an sich heran, dass er ihnen die Luft zum Atmen nimmt, dass er sie zugrunde richtet, bis sie ausgebrannt und erschöpft sind!" Und denen, die im ländlichen Raum wie in einem Glashaus wohnen, gab sie mit auf den Weg: "Mok watt de wutt, dä Löie kürt doch." Natürlich treffe die Redewendung zu, dass jemand das Feuer anzünden müsse, wenn`s im Haus warm werden solle, aber das müsse nicht immer ein- und dieselbe Person sein. Einen Ehepartner habe man nicht wie einen Bundesschatzbrief in der Schublade. Den besten Ehen gehe der Sauerstoff aus, wenn man sich mit Saugnäpfen aneinander festklammere. Liebe sei, so Heidrun Kuhlmann, ein Geschenk, das sich nur in Freiheit richtig entfalten könne. Das gelte auch für die eigenen Kinder, die man loslassen und mit kräftigen Flügeln in die Welt schicken müsse. Für den Fall, dass es sehr stürmisch werde und großes Leid auf einen Menschen warte, gab die Auetaler Rednerin ihren Zuhörerinnen noch einen Hinweis mit auf den Heimweg: "Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand."

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