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Nach Hoffmann-Vorstoß: Landesbischof wird überstimmt - knappe Mehrheit der Synode beschließt Vakanz als Testphase

Landeskirche bleibt ein Jahr lang ohne Präsidenten

Bückeburg (ssr). Die im Herbst frei werdende Stelle des Präsidenten im Landeskirchenamt wird zunächst nicht wiederbesetzt. Mit der knappen Mehrheit von 15:12 Stimmen hat die Synode der Landeskirche Schaumburg-Lippe auf ihrer Tagung in Sachsenhagen nach teils erregter Debatte eine einjährige Vakanz beschlossen. Nach einer intensiven Prüfung der Notwendigkeit des Führungsamtes soll auf der Herbstsynode 2007 über dessen Zukunft entschieden werden.

Damit haben sich Landesbischof Jürgen Johannesdotter und der Landeskirchenrat nicht durchsetzen können. Sie hatten die Neubesetzung des Präsidentenamtes nach sechs Monaten durch einen Volljuristen zunächst auf einer halben Stelle vorgeschlagen. Eine kostensparende Neustrukturierung des Kirchenamtes wäre zwei Jahre später - unter Beibehaltung des Präsidentenamtes - im Umfeld der mittelfristig fällig werdenden Neubesetzung der Stelle des Leitenden Kirchenverwaltungsbeamten erfolgt. Anlass des Themas: Präsident Michael Winckler (64) tritt Ende September in den Ruhestand ein. Seinen Vorstoß, die Notwendigkeit des Präsidentenamtes zu überprüfen, begründete der Stadthäger Synodale Jürgen Hoffmann - im Hauptamt Stadthäger Bürgermeister - mit seiner "eigenen positiven Erfahrung aus achtjähriger Tätigkeit an der Spitze einer gut aufgestellten Kommunalverwaltung". Das Präsidentenamt sei weder "gottgewollt" noch "eine heilige Kuh". Da hülfen auch nicht "die theologischen Verbrämungen des Landesbischofs", wurde Hoffmann deftig. Johannesdotter und die beiden anderen verbleibenden leitenden Personen des Amtes müssten durch die Vakanz "gezwungen werden", so der Synodale wörtlich, Teile der Arbeit des bisherigen Präsidenten mit zu leisten. Juristische Kompetenz könne man sich von außen holen; andere Aufgaben, teils auch die Außenvertretung, könnten ehrenamtlich geleistet werden, so Hoffmann. Dazu bot er seine Hilfe an. Eventuell ohne Präsidenten auszukommen, entspreche der Glaubwürdigkeit des kirchlichen Sparkurses und nutze eine Chance zur Modernisierung, so Hoffmann. Was er mit ergebnisoffener Prüfung meinte, machte Hoffmann mit seiner Prognose für den Ausgang der einjährigen Testzeit ohne Präsidenten deutlich: "Ich garantiere Ihnen, es wird funktionieren." Johannesdotter unterstrich, er bejahe einen Sparbeitrag des Kirchenamtes. Diesen gelte es zu erarbeiten. Um aber nach innen die rechtliche und verwaltungsmäßige Grundausstattung in den Alltagsfragen und nach außen eine angemessene rechtliche Vertretung zu gewährleisten, sei das Präsidentenamt in Form eines Juristen unverzichtbar. Wiederholt deutete der Bischof an, letztlich gehe es um die Selbstständigkeit der Landeskirche. Das gelte insbesondere angesichts der anstehenden Umstrukturierungen auf den Ebenen der EKD und der VELKD. "Hieran selbstständig und juristisch kompetent beteiligt zu sein und nicht darauf zu vertrauen, dass die anderen irgendwie unsere Anliegen mit vertreten, das liegt in unserem ureigenen Interesse." In einer scharfen persönlichen Bemerkung verwahrte sich Johannesdotter gegen die Aussage Hoffmanns, das Kirchenamt müsse zur Umstrukturierung "gezwungen werden" Der Bischof wörtlich: "Ich verbitte mir, uns passiven Widerstand zu unterstellen." Einige Synodale - zumeist jüngere Pastoren - äußerten Sympathie für den Vorstoß Hoffmanns. (Der Probsthäger Pastor Jan-Uwe Zapke: "Einen Diakon finde ich in der Bibel, einen Präsidenten nicht.") Formal zu eigen machte ihn sich Pastor Ulrich Hinz (Meinsen) den Vorstoß Hoffmanns. Dabei ging Hoffmann auf Hinz' Anregung ein, die Vakanzzeit von ursprünglich beabsichtigten zwei Jahren auf eins zu verkürzen. Andere Synodale verteidigten das Präsidentenamt. Eike Höcker, Vizepräsidentin der Synode, sagte, man dürfe dem Kirchenamt "nicht den Kopf abschlagen". Die Bückeburger Pastorin Anne Riemenschneider und der Stadthäger Oberprediger Klaus Pönnighaus betonten, eine Außenvertretung sei ernsthaft nur durch einen qualifizierten Präsidenten gewährleistet. Der Sachsenhäger Pastor Josef Kalkusch sagte, die einjährige Vakanz könne eine Eigendynamik annehmen, "durch die wir in eine Falle laufen". Kalkusch weiter: "Wir sind auf dem gefährlichen Wege, unsere Eigenständigkeit aufzugeben."

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