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Winckler scheidet aus - heftiger Konfliktüber Nachfolge-Modell / Probeweise aufs Amt verzichten?

Landesbischof: "Brauchen einen Präsidenten"

Landkreis (ssr). Soll das Kirchenamt der Landeskirche Schaumburg-Lippe weiterhin einen Präsidenten an seiner Spitze haben oder nicht? Über diese Frage sind auf der Frühjahrstagung der Synode am morgigen Sonnabend in Sachsenhagen heftige Auseinandersetzungen zu erwarten.

Auslöser der Streitfrage ist das Ausscheiden des seit 1980 amtierenden Präsidenten Michael Winckler (64), der im September die Altersgrenze erreicht. Bereits seit Monaten schwelt hinter den Kulissen ein Konflikt darüber, ob überhaupt oder in welcher Weise das Amt neu besetzt werden soll. Hauptkontrahenten sind Landesbischof Jürgen Johannesdotter, der einen Präsidenten in Form eines Volljuristen für unverzichtbar hält, und der Stadthäger Synodale Jürgen Hoffmann, der sich die Leitung der Landeskirche auch ohne dieses Amt vorstellen kann. Das Modell des Bischofs sieht nach einer halbjährigen Vakanz die Einstellung eines Volljuristen als Präsident auf einer halben Stelle zum 1. April 2007 vor. Bei der mittelfristig anstehenden Neubesetzung auch der Position des leitenden Verwaltungsangestellten (derzeit Kirchenverwaltungs-Oberrat Willi Meier) soll dann über eine gemeinsame Neuordnung beider Ämter entschieden werden. Dieses Modell wird morgen vom Landeskirchenrat, dem Leitungsgremium der Kirche, auf der Synode als Antrag eingebracht. Mit diesem Kompromiss möchte Johannesdotter den Kirchengemeinden signalisieren, dass sich auch das Kirchenamt am Sparkurs der Landeskirche beteiligt. Gleichzeitig sieht es der Bischof aber als unabdingbare Notwendigkeit an, einen Präsidenten vorzuhalten: "Als selbstständige Landeskirche brauchen wir einen Präsidenten, und zwar in Form eines Juristen." Denn "ohne eine solche Spitze gefährden wir unsere Eigenständigkeit", formuliert Johannesdotter auf Anfrage unserer Zeitung kategorisch: "Wir wären innerhalb der EKD doch gar nicht mehr satisfaktionsfähig." Keine andere Landeskirche stehe ohne Präsidenten da. Doch nicht nur in der Außenvertretung, sondern auch im internen Alltag sei eine juristische Spitze unverzichtbar - etwa in Personal-, Bau- oder Finanzfragen. Eine ganz andere Linie wird in einem Antrag Hoffmanns vorgeschlagen. Dieser möchte eine zweijährige Vakanz, nach der über die Erfahrungen ohne einen Präsidenten Bericht erstattet werden soll. Für die Abschaffung des Präsidentenamtes wäre in der Synode eine Zweidrittelmehrheit nötig. "Das nicht direkt zu beantragen, sondern erstmal eine zweijährige Vakanz, lässt die Absicht der Aushöhlung durch eine einfache Mehrheit erkennen", interpretiert Johannesdotter dieses Vorgehen. Hoffmannselbst sagte auf Anfrage nur: "Ich werde dazu keine Auskunft geben." Der Bischof jedenfalls findet es "ärgerlich", dass Hoffmann seit Wochen "durch Telefonate und persönliche Gespräche bei den Synodalen Klinken putzt, kräftig populistisch Stimmung macht und dabei auch mit gesamtkirchlichen Informationen argumentiert, über die er teils keinen ausreichenden und zutreffenden Überblick hat". Die Tagung der Synode beginnt morgen um 10 Uhr im kirchlichen Gemeindehaus in Sachsenhagen an der Triftstraße.

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