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"Schwarzmeer Don Kosaken" gastieren in der Stadtkirche / Bemerkenswerte Differenzierungen

Kraftvoll, großer Ausdruck und reichlich Pathos

Bückeburg. Kraftvoll, mit großem Ausdruck und mitunter mit reichlich russischem Pathos haben sich am Sonntag die "Schwarzmeer Don Kosaken" in der Stadtkirche präsentiert. Die acht Sänger stellten in dem sehr gut besuchten Gotteshaus ein zweigeteiltes Programm vor. Im ersten Abschnitt des Nachmittags standen liturgische Gesänge im Mittelpunkt. Die zumeist tief von der alten Musiktradition der Ostkirchen geprägten Werke füllten den Raum mit einer beinahe mystischen Atmosphäre. Im stimmungsmäßig abwechslungsreicheren zweiten Teil interpretierte das Oktett folkloristische und in der Tradition der Kosaken wurzelnde Lieder.

Für wie viele Chöre die Freischärler vom Don mittlerweile ihren Namen geben, vermag niemand zu sagen. Wohl aber, dass der Ursprung des Phänomens "Don Kosaken" auf Sergej Jaroff zurückgeht. Dieser rief 1921 den ersten so benannten Chor ins Leben und feierte besonders im Westen große Erfolge. Die Truppe bestand aus ehemaligen Kämpfern des Zaren, die im Anschluss an die Oktoberrevolution aus Russland verbannt worden waren. Von der Geschichte und Reputation ihrer Urväter zehren die in Stiefeln auftretenden Sänger bis auf den heutigen Tag. Die "Schwarzmeer Don Kosaken" gingen 1988 aus dem "Orthodoxen Oktett" hervor. Gründer Vassil Kantchev scharte ausnahmslos studierte Sänger der Konservatorien Bulgariens und Russlands um sich. Die Gruppe steht in dem Ruf, einen ganz besonderen Klang erzeugen zu können. Sie wird häufig von europäischen Opernhäusern für Chorsätze verpflichtet. In der Stadtkirche beeindruckte bereits die durch die Zuhörerreihen transportierte Lautstärke. Darüber hinaus überzeugte der Klangkörper mit bemerkenswerten Differenzierungen zwischen extrem leisen, teilweise meditativ angelegten Passagen und voluminösen Höhepunkten im Fortissimo. Besonders im profanen Teil bewiesen sich die Kosaken als wandelbare Singgemeinschaft, die mit großer Freude am Konzertieren und stets mit einem Höchstmaß an Ausdruck agiert. Dass die acht Sänger dabei ab und an über die Stränge schlugen und das Fortissimo bisweilen einen leichten Beigeschmack des Brüllens erhielt, ist ihnen gerne verziehen worden. Und als das Ensemble im Zugabenteil dasbeinahe unvermeidliche "Kalinka" anstimmte, gab es im begeisterten Publikum ohnehin kein Halten mehr.

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