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Ärzte wollen eigenen Tarifvertrag / Heute Teilnahme von Schaumburger Medizinern an Demonstration in Oldenburg

KeinÄrztestreik am Klinikum Schaumburg in Sicht

Landkreis (la). EinÄrztestreik ist am Klinikum Schaumburg, also an den Krankenhäusern in Rinteln und Stadthagen, derzeit nicht in Sicht. "Wir wissen selber noch nicht, wie wir uns verhalten sollen. Wir werden abwarten, wie sich die Situation entwickelt", sagte ein Rintelner Klinikarzt gegenüber unserer Zeitung. Allerdings demonstrieren heute in Oldenburg und Braunschweig auch einige Klinikärzte aus Stadthagen und Rinteln (siehe "Fakten"). "Der Krankenhausbetrieb wird dadurch aber nicht behindert", stellte Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier klar.

Die Krankenhausärzte der Region sind in der Mehrzahl für den vom Marburger Bund für die Uniklinikärzte ausgehandelten Tarifvertrag. Bislang gelten für sie die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes. "Es wäre gut, wenn wir Ärzte endlich einen eigenen Tarifvertrag bekommen würden", äußerte sich der Rintelner Krankenhausarzt. Schließlich seien die Ärzte mit keiner anderen Berufsgruppe zu vergleichen. Für ihre Leistungen, mit den Anforderungen und der Verantwortung der sie unterliegen und der Arbeitszeit, würden Klinikärzte nicht ausreichend bezahlt. Einig sind sich dieÄrzte und Schöttelndreier darüber, dass die vom Marburger Bund geforderten Gehaltserhöhungen für die Schaumburger Ärzte real nicht die propagierten 20 Prozent ausmachen, sondern nur durchschnittlich drei Prozent. "Nach den vom Marburger Bund geforderten Tarifen würde die Arbeitszeit von 38,5auf 42 Stunden angehoben und das Weihnachtsgeld entfällt. Daher entspräche die reale Erhöhung unseres Gehalts nur drei Prozent", so der Rintelner Krankenhausarzt. "Trotzdem: Jede zusätzliche Forderung erhöht das Defizit des Krankenhauses, und bei dem Gedanken an die Standortsicherung ist das ein zweischneidiges Schwert", stellte Schöttelndreier im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Außerdem seien die Tarife für den öffentlichen Dienst ohnehin schon angehoben worden, undauch für die Arbeitszeit würden derzeit neue Modelle erarbeitet. 38,5 Stunden sind die Regelarbeitszeit eines Arztes am Klinikum Schaumburg. Dazu kommen Bereitschaftsdienste und Rufdienste, die vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden, wenn die Ärzte im Einsatz sind. "Mehr als 48 Stunden darf ein Arzt aber nicht arbeiten. Mit der Vergütung und dem Ausgleich durch Freizeit sind wir großzügiger als im Landesbereich. Das ist ein Fortschritt der kommunalen Häuser gegenüber dem Marburger Bund", sagte Schöttelndreier. Der Rintelner Arzt sieht das etwas anders: "Wir brauchen die zusätzlichen Dienste, um unser Gehaltsniveau aufzubessern. Das Grundgehalt reicht nicht aus und ist für unseren Berufsstand nicht angemessen." Außerdem seien in den Krankenhäusern nicht immer alle Assistenzarztstellen besetzt, und so müssten die Dienste unter wenigen Kollegen aufgeteilt werden. "Oft machen wir 24 oder 25 Stunden am Tag Dienst, und das ist manchmal schon haarig", so der Arzt. Auch Oberärzte würden schon mal 15 Dienste pro Monat übernehmen müssen und so auf eine hohe Wochenarbeitszeit kommen. "Wenn alle Stellen besetzt wären, wäre es sicher ein angenehmes Arbeiten", sagte der Arzt. Ausgegliedert seien seit einiger Zeit auch die Dienste im Notarztwagen. "Die Notarzttätigkeit führen wir als Nebentätigkeit aus. Sie sind nicht mehr Teil unserer offiziellen Klinikarbeit, müssen aber laut unseren Verträgen übernommen werden", berichtete der Arzt. Da die Notarztdienste aber gut bezahlt werden, würden sie allerdings auch gern von Klinikärzten übernommen. "Das sind dann aber weitere zusätzliche Arbeitsstunden", gibt der Arzt zu bedenken.

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