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Die Welt zu Hause in Schaumburg: Serie zur Fußball-WM / Jetzt feuert Alba Lohse Deutschland an

"Im Herzen bleibe ich immer Mexikanerin"

Rinteln. "Ich sehe das Ausscheiden Mexikos positiv", sagt Klaus Lohse. Denn so bleibt zumindest der Familienfrieden zwischen ihm und seiner Ehefrau Alba, einer gebürtigen Mexikanerin, erhalten. "Wenn Mexiko im Viertelfinale auf Deutschland getroffen wäre, dann wäre hier sicher einiges los gewesen..."

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Kerstin Lange Redakteurin zur Autorenseite

Es ist schon eine interessante Geschichte, wie es Alba vor nahezu drei Jahrzehnten von Mexiko nach Rinteln verschlug.Über einen amerikanischen Soldaten knüpfte ihre Mutter Kontakte nach Deutschland. Bei einem Kurzbesuch lernte Alba 1978 in Rinteln ihren späteren Ehemann Klaus kennen. 1981 wurde in Mexiko geheiratet. "Das war ein einmaliges Erlebnis", berichtet Klaus Lohse. Rund 1000 Gäste hätten an der Feier teilgenommen und eine Woche lang seien Freunde, Musiker und Nachbarn im Haus seiner Schwiegereltern ein- und ausgegangen. "In Mexiko feiert man eben anders", stellt Alba Lohse fest. 18 Monate lang hat das Paar nach der Hochzeit in Rinteln gelebt und ist dann wieder nach Parral in Mexiko gezogen. Dort wurden auch die Töchter Anja (23) und Mareike (20) geboren. "Meine Frau und ich waren uns aber einig, dass unsere Kinder in Deutschland zur Schule gehen sollten, weil die Ausbildung hier besser ist, und so zogen wir nach sechs Jahren wieder in meine Heimat", erzählt Klaus Lohse. Seit 1988 lebt die Familie nun schon in Rinteln - und kurios ist, dass Klaus Lohse lieber wieder zurück nach Mexiko gehen würde, seine Frau Alba aber lieber hier bleiben möchte. "In Mexiko ist das Leben freier und lockerer. Man erlebt dort eine andere Menschlichkeit. Jeder hilft jedem", berichtet Klaus Lohse. Seine Frau hingegen bräuchte den hier vorherrschenden Stress und die Anforderungen. "Ich habe mich hier völlig integriert und viele Freunde gefunden. Ich bin hier glücklich", sagt Alba Lohse. Trotzdem bliebe sie immer eine Vollblut-Mexikanerin. Besonders viel Heimweh kann bei der 48-Jährigen nicht aufkommen. Ihre Schwester Betty lebt seit 1995 in Möllenbeck. Auch sie hat mit Andreas Aldag einen Deutschen geheiratet, den sie bei einem Besuch in Deutschland kennen gelernt hat. Die Mutter kommt ein bis zwei Mal pro Jahr nach Rinteln, um die Töchter zu besuchen. Außerdem pflegt Alba Lohse Kontakte zu sieben Mexikanerinnen, die in Minden, Springe, Krankenhagen und Hannover wohnen. "Wir treffen uns regelmäßig und dann wird mexikanisch gekocht und es kommt ein echtes Heimatgefühl auf. Dabei zieht es mich doch zurück nach Mexiko, aber wenn die Treffen vorbei sind, dann bin ich wieder glücklich, hier zu sein", berichtet Alba Lohse. Die mexikanische Botschaft in Hannover tut viel für ihre Landsleute. "Mindestens zwei Mal pro Jahr, am Unabhängigkeitstag und am Muttertag, werden wir nach Hannover eingeladen", berichtet die Mexikanerin, die inzwischen einen deutschen Pass hat. Erst kürzlich war die Familie in Hannover zu einer heiligen Messe und mexikanischem Essen mit viel Musik eingeladen. "Dann haben wir dort das Fußballspiel zwischen Mexiko und Angola gesehen", berichtet Alba Lohse. Es sei dort eine riesige Stimmung gewesen, "ein unvergessliches Erlebnis!" Die Fußballspiele Mexikos hat die Familie immer zusammen mit Freunden angeschaut. "Natürlich in grünen T-Shirts gekleidet, mit den Nationalfarben auf den Wangen und Flaggen vor dem Haus", berichtet Klaus Lohse, der sich wie ein echter Mexikaner fühlt. Nur das Ausscheiden des Teams gegen Argentinien konnte die Familie nicht im Fernsehen verfolgen, da sie zu einer Hochzeit eingeladen war. "Wir ließen uns aber von einem der Kellner stets über das Geschehen berichten", so Klaus Lohse. Nur kurz verschwand die Familie von der Feier, um sich bei Freunden für einige Minuten des Spiels anzuschauen. Das Ausscheiden nahmen die Lohses und die Aldags dann ganz gelassen hin. "Eigentlich haben wir ein Tor mehr geschossen als Argentinien", nimmt Alba Lohse das Eigentor beim 2:1 humorvoll. Man sei nicht ohne Kampf untergegangen und habe sich gut geschlagen. Jetzt stehen die Lohses wie ein Mann hinter der deutschen Nationalmannschaft: "Wir haben unsere grünen Trikots gegen weiße getauscht..."

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