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Nichts wie raus hier: Nach der Aufstallungspflicht darf das liebe Federvieh wieder an die frische Luft

"Hühner sind auch nur Menschen wie du und ich"

Auetal (rnk). "Hühner", sagt Martha Kretschmann, "Hühner sind auch nur Menschen wie du und ich." Eine Erkenntnis, die ihr ein eigentlich unerfreulicher Anlass beschwerte: die Aufstallungspflicht als vorbeugende Maßnahme gegen die Vogelgrippe. Rund 250 Hühner mussten Martha und Horst Kretschmann als Inhaber der Auetaler Geflügelscheune seit Ende Oktober rund sechs Wochen lang einsperren. Das hatte Folgen: Die Tiere brauchten rund drei Wochen, bis sie sich an die Käfighaltung gewöhnt hatten. In dieser Zeit stellten sie die Produktion von Eiern fast ganz ein. Die Ursache für die Einstellung der Arbeit: Der Freigang ist für Hühner, aber auch für Gänse, Puten und Enten ein zentrales arteigenes Bedürfnis. Trotz intensiver Zuchtarbeit zeigen auch moderne Rassen noch die gleichen Verhaltensmuster wie ihre wilden Vorfahren aus Südostasien.

Scharren, picken und ein kleines Sandbad: Seit gut 14 Tagen dürfen die Hühner nach der staatlich verordneten Stallpflicht nun wieder ins Freie. Erneut brauchten die Tiere ein paar Tage, um sich umzugewöhnen, aber jetzt läuft die Eierproduktion wieder im normalen Maße. Die Gänse und Enten waren von der Aufstallungspflicht nicht betroffen: Kretschmanns hatten eine Sondergenehmigung, die Tiere durften draußen bleiben. Trotz der Aufhebung der Stallpflicht ist nicht alles so wie früher. So dürfen Fütterungsstellen von Nutzgeflügel für Wildvögel nicht zugänglich sein. Weiterhin darf nur mit Wasser getränkt werden, das mit Zugvögeln noch nicht in Berührung gekommen sein kann. Im Klartext bedeutet das: Nur Leitungswasser ist erlaubt. Futter und Einstreu müssen wildvogelsicher aufbewahrt werden. Wieder erlaubt sind dagegen Geflügelmärkte und Geflügelschauen. Allerdings müssen die ausgestellten Tiere vorher von einem Tierarzt untersucht worden sein. Die Kosten dafür hat sich mancher Züchter allerdings gespart: Bei vielen Geflügelschauen der letzten Zeit waren die Lücken nicht zu übersehen. Doch lange wird es nicht dauern, bis Bund und Länder erneut über eine Stallpflicht entscheiden müssen - im Frühjahr nämlich, wenn die Zugvögel aus Afrika zurück nach Europa fliegen. Das wäre noch schlimmer als dieses Mal, weil dann die Zuchtzeit beginnt, befürchten die Rassegeflügelzüchter. Und auch für Gänsehalter wäre ein Aufstallungsgebot im Frühling schlimm. Denn das ist die Zeit, in der die kleinen Gössel, so nennt man die Gänseküken, heranwachsen. Das wird ein großes Problem, wenn die Gössel wieder kommen und die Gänse dann nicht mehr ins Freie kommen. Und das ist ja fast unmöglich, denn dann brauchen sie einfach Gras und Auslauf. Weniger skeptisch stehen der Stallpflicht große Geflügelzüchter gegenüber, für die der Ausbruch der Vogelgrippe den Ruin zur Folge haben könnte. Sie befürchten, dass sich Zugvögel in ihrem Winterquartier mit dem Virus infiziert haben könnten und es auf ihrem Rückflug nach Europa bringen. So fordert der Präsident der Geflügelzüchter in Niedersachsen, dem Bundesland mit dem größten Geflügelbestand, dass Vögel in Nordafrika auf Vogelgrippe untersucht werden. Übrigens: Zwar gab es zum Weihnachtsfest in der Geflügelscheune einen kleinen Engpass bei den Eiern aus der freilaufenden Produktion, aber dafür freute sich die Kretschmanns über eine große Nachfrage nach ihren Fleischprodukten: Die anhaltenden Debatten über die Qualität des Fleisches aus der Massenproduktion hätten beim Verbraucher durchaus Spuren hinterlassen, erklärt das Ehepaar.

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