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Energiepreise treiben Privatleute in den Wald / Brennholzbedarf steigt um Vielfaches

Holzausverkauf in Schaumburgs Wäldern

Landkreis (gus). Ganz ohne Winterschlussverkauf und Schnäppchenpreise haben die steigenden Energiepreise den Markt für Brennholz leer gefegt - so kommentiert der Landvolk-Pressedienst den aktuellen Boom im Wald. Immer mehr Menschen wechseln zum Holzofen als Wärmequelle. Eine Recherche hat ergeben, dass nicht nur der Sparwille sondern auch Aspekte derLebensqualität für den Ausverkauf in Schaumburgs Wäldern ausschlaggebend sind.

Als "Wahnsinn" bezeichnet Christian Fischer, Leiter des fürstlichen Forstamtes, den Auftrieb im Zuständigkeitsbereich seiner Behörde. Dieser umfasst den Schaumburger Wald sowie den Bückeberg im Bereich Steinbergen. Für dieses Saison sei bereits Anfang Februar das Limit fast erreicht gewesen. Schließlich könne ja nicht der ganze Wald abgeholzt werden. Wenn man aus Erzählungen hört, wie es im ersten Winter nach dem zweiten Weltkrieg in den Wäldern zuging, ist das jetzt ähnlich, meint Fischer. Alle befragten Mitarbeiter des Forstwesens bestätigten diesen Trend. Auch im Revier des Borsteler Försters Franz-Wilhelm Eck ist der "Kahlschlag" grenzwertig. "Ich kann gar nicht so viel liefern, wie bestellt wird", erzählt Eck. Überwiegend Privatleute sägen in dem 1200 Hektar umfassenden Gebiet im Bückeberg Brennholz oder holen welches ab. Beides sei gleichermaßen gefragt. Im 3400 Hektar umfassenden Bereich des Kreisforstamtes sind von den 17 000 Raummetern Holz, die jährlich geschlagen werden, in diesem Winter 6000 für den Brennholzbedarf bestimmt gewesen. Nach Worten von Amtsleiter Bernhard Michel ist das viermal so viel, wie noch vor zehn Jahren. "Wir sind bemüht, das Holz den Leuten aus der Region zukommen zu lassen", betont Michel. Einziger nicht-privater Abnehmer sei die Kreisberufsschule, die 500 Raummeter benötigte. In erster Linie Buche und Eiche wird nach Angaben Ecks zu Brennholz verarbeitet. Verwendet werde alles vom dünnen Knüppel bis zum dicken Baumstamm, so Fischer. Nach Darstellung einiger Forstbeschäftigten ist nicht nur der Anstieg von Gas- und Ölpreis Grund für die hohe Nachfrage. "Die Leute mögen die angenehme Wärme, eines Kaminofens", meint Fischer. Nach Angaben des Innungsobermeisters der Ofen und Luftheizungsbauer, Werner Bartsch, ist der Absatz auch in seiner Branche in den vergangenen zwei Jahren gestiegen. Eine Zahl sei schwer zu ermitteln, den letzten Herbst könne man aber getrost als Boom bezeichnen. Bartsch betont, dass frisch geschlagenes Holz drei Jahre liegen muss, bevor es in den Kamin kann. Bei Nadelholz sei die Spanne etwas kürzer, dieses hat laut Eck aber weniger "Brennwert". Der "Holzklau" hat in Schaumburgs Wäldern offenbar nur unwesentlich zugenommen. "Hier und da bekommt fertig gehacktes Holz schon mal Beine", sagt Fischer. Beim einzigen größeren Diebstahl seien vor einem Jahr 15 Raummeter verschwunden - immerhin eine Lastwagenladung.

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