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Einziger bedrohlicher Sanierungsfall war Kreissporthalle / Vor zehn Jahren gelöst

Hallendächer machen zwar Ärger - Einsturzgefahr besteht aber nicht

Rinteln (wm). Seit dem Unglück von Bad Reichenhall ist eine Diskussion um die Sicherheit von Hallendächern entbrannt. Auch in Rinteln gibt es Hallendächer, die Ärger machen - eingestürzt ist aber noch keines. Das passiere auch nicht, sagen die Verantwortlichen, das Problem liege woanders: Herkömmliche Flachdächer mit geschweißten Bahnen, Kiesschüttung und Lichtkuppeln seien häufig nicht dicht und ließen im Laufe der Jahre Wasser durch. Der Reparaturaufwand sei unverhältnismäßig hoch.

Der einzige bedrohliche Sanierungsfall ist seit zehn Jahres gelöst: Wie die Eissporthalle in Bad Reichenhall war auch das Hallendach der Kreissporthalle an der Burgfeldsweide von Leimbindern getragen worden. Auch hier habe man Ermüdungserscheinungen festgestellt, Risse in den Leimfugen, schilderte der Hochbauamtsleiter des Landkreises, Karl-Erich Smalian. Der Landkreis habe damals sofort reagiert. Sein Stellvertreter Uwe Drinkuth schilderte die Details: Über die Leimbinder sei eine neue Satteldachkonstruktion aus Metall gesetzt worden. Die Leimbinder tragen heute nur noch die abgehängte Hallendecke. Auch Flachdachteile beim Hallenbad seien durch ein Satteldach ersetzt worden, als man Undichtigkeiten festgestellt habe. Dass das Hallendach eines der Gebäude, die von der GVS für die Stadt gewartet werden, zusammenbrechen könnte, kann sich GVS-Chef Jürgen Peterson kaum vorstellen. Das Parkhaus in der Klosterstraße habe zwar ein Flachdach, das aber nicht von Leimbindern, sondern von Stahlträgern und Stahlbeton gehalten werde. Zudem ist die Spannweite weit geringer, das Dach wird mehrfach unterstützt. Auch die Turnhallen in Krankenhagen, Steinbergen, Deckbergen und das Dach des Steinberger Hallenbades erreichten keine kritischen Spannweiten. Das Brückentorflachdach habe eine relativ große Fläche, doch auch hier gehe es nicht um große Spannweiten, weil das Dach durch die Raumaufteilung darunter mehrfach gestützt werde. Das Saaldach sei beim Umbau des Brückentorsaals - als unter anderem die Röhrenunterkonstruktion entfernt worden ist - ebenfalls erneuert worden. Bei der Turnhalle Krankenhagen, wo es im Vorjahr laufend Probleme mit Wasserschäden gegeben habe, werde deshalb das Flachdach in diesem Jahr durch ein flach geneigtes Satteldach ersetzt. Architekt Werner Degert sieht die Situation so: Wenn es sich vermeiden ließe, baue man heute kein Flachdach mehr. Doch korrekt gebaut, seien Flachdächer eigentlich unproblematisch - vorausgesetzt, sie würden auf Wasserschäden kontrolliert und gewartet. Der Haken liegt woanders: Weil bei der Kalkulation oft bis auf den letzten Euro gepokert werde, reize man auch DIN-Vorschriften bis zum Letzten aus, jedes zusätzliche Sicherheitspolster sei dann weg. Sei dann die Bauausführung nicht hundertprozentig korrekt, stimme das Gefälle nicht, um ein Beispiel zu nennen, sammle sich Wasser auf dem Dach. Degert: "Ein Kubikmeter Wasser wiegt eine Tonne, da kommen nach einem Gewitterguss schnell hohe Lasten zusammen." Auch dafür gibt es ein Beispiel: Das neue Feuerwehrgerätehaus an der Seetorstraße war gerade eingeweiht, da stritten sich schon die Gutachter über die Qualität der Bauausführung am Flachdach. Ein Prozess, der erst Jahre später abgeschlossen wurde.

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