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Ehrenamtlicher Besuchsdienst bringt Zuwendung von Mensch zu Mensch ins Krankenhaus Bethel

Grüne Helfer gegen das Gefühl von Isolation

Bückeburg. "Kommen Sie noch einmal wieder?" Helga Davarüberlegt da nicht lange. Vier andere Patienten stehen an diesem Nachmittag noch auf ihrer Besuchsliste. Dennoch: Bevor sie ihren hellgrünen Kittel abstreift und sich auf den Heimweg macht, ist sie heute auch ein zweites Mal ganz Ohr für den unruhigen Neu-Diabetiker auf Station 2.

"Grüne Damen und Herren" - so nennt sich der nach bundesweitem Vorbild vor gut drei Jahren im Krankenhaus Bethel aufgebaute ehrenamtliche Besuchsdienst. Mit Helga Davar sind derzeit sieben weitere freiwillige Mitarbeiterinnen und ein "Grüner" im Team dabei. Längst gehören die freiwilligen Helfer in Grün auf allen Stationen hier zum vertrauten Bild im Klinik-Alltag. Ihr Kapital ist die Zeit, die sie regelmäßig ihren vielen Patienten schenken. Worin vor allem besteht ihr Dienst? Welche Erfahrungen haben sie dabei gemacht? Was ist ihre Motivation? Aus erster Hand berichten im gemeinsamen Gespräch Helga Davar, ihre Kollegin Margot Collet sowie Bethels Krankenhausseelsorger Andreas Wömpner als Teambegleiter: Unter den Bethel-Patienten sind viele betagt, alleinstehend, ortsfremd, ohne Angehörige in der Nähe und/oder in besonderer Weise hilfsbedürftig oder gar behindert. Tendenz auch in Bückeburg: weiter steigend. Das Gefühl, von der Außenwelt völlig abgeschnitten zu sein, wird schnell übermächtig. Vor allem diese Patienten sind auf ganz persönliche Zuwendung angewiesen. Diese Zuwendung von Mensch zu Mensch im Klinikalltag möchten die "Grünen Damen und Herren" geben. 13 000 insgesamt sind es inzwischen in Deutschland. Pastor Wömpner weiß aus langer Erfahrung: "Der enorme Bedarf an individueller Zuwendung kann von dem ärztlichen und pflegerischen Personal allein auch bei bestem Willen bei weitem nicht abgedeckt werden." Die grünen Helfer sind Gesprächspartner, die Zeit mitbringen und gerne zuhören. Sie bemühen sich um menschliche Nähe, erledigen kleine Besorgungen, helfen geduldig bei den Mahlzeiten, lesen vor oder sind auch einfach nur da, drücken die Hand. Nie wissen sie, wer und was sie erwartet, wenn sie sich an ihrem festen wöchentlichen "Dienstnachmittag" bei der Stationsschwester zum Einsatz melden. "Kontaktfreude und viel Einfühlungsvermögen müssen wir mitbringen." Nur zu verständlich ist die Feststellung von Margot Collet. Sie und ihre Kollegin erfahren so auch immer wieder: "Die Patienten öffnen sich sehr und erzählen gern von sich selbst. Da kann man auch zusammen einmal richtig fröhlich sein und lachen." Schönfärberei liegt Margot Collet und Marga Davar dabei gänzlich fern. Offen bekennen beide: Als Helfer in der Klinik muss man psychischen und physischen Belastungen gewachsen sein. Mit dem vielen Leiden und Leid ringsum klarkommen, das ist dennoch auch für sie nicht immer einfach. "Manchmal muss man doch sehr durchatmen, wenn man etwa an die eigene Zukunft denkt und sich ausmalt, wie es wäre, wenn man selbst in die Lage des eben besuchten Patienten kommt. Man muss Menschen mögen, sonst geht das nicht. Wird es einmal ganz happig, dann wissen wir uns aber von Pastor Wömpner und dem Team ganz wunderbar aufgefangen." Christliche Verantwortung und soziales Engagement haben Bückeburgs "Grüne" nach einer stets vorgeschalteten "Schnupperphase" ins Krankenhaus Bethel geführt. Sie haben schnell erfahren und erleben es jedes Mal von Neuem: "Es kommt unendlich viel zurück." Die Augen von Margot Collet und Marga Davar strahlen, als sie davon berichten: "Ein Dankeschön oder ein Lächeln kommt eigentlich immer. Da freut man sich auf die Stunden hier." An ein Erlebnis muss Margot Collet immer wieder denken. 30 Minuten lang hatte sie einer sehr betagten Demenz-Patientin das Essen gereicht und dabei ohne jeden Erfolg versucht, irgendeine Regung bei der "sprachlosen" Frau hervorzulocken. Dann urplötzlich - Collet wollte schon zum nächsten Patienten gehen - kam ein kaum hörbares "Danke" von den Lippen. "Da war also doch viel rübergekommen. Dieses Danke, das war einfach schön. Sie hatte sonst nicht die Kraft, etwas zu sagen, und sie hatte sich gefreut. Da geht man selbst zufriedener und bereichert nach Hause." Weitere Infomrationen: Das Team der "Grünen" in Bethel ist alles andere als eine geschlossene Gesellschaft. Gerne dürfen noch Neue kommen, erst mal zum Schnuppern. Anruf bei Pastor Wömpner genügt, (0 57 22) 20 22 70 - am sichersten dienstags und donnerstags von 11 bis 12 Uhr.

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