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800 Interessierte wollen den Bischof hören: EKD-Ratspräsident Dr. Wolfgang Huber zu Besuch in der Stadtkirche

Große Katastrophen fordern die Frage nach Gott heraus

Bückeburg. Auswertungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verzeichnen einen frappanten Zuwachs der Weihnachtsgottesdienstgäste. In manchen Gemeinden wurden bis zu 50 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr gezählt. "Wir erleben weltweit eine Wiederkehr der Religion", hat der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Dr. Wolfgang Huber, seine Eindrücke am Montag in der Bückeburger Stadtkirche zusammengefasst. Die Veranstaltung kann als Ausrufezeichen hinter Hubers These betrachtet werden: Etwa 800 Interessierte wollten den Vortrag des Bischofs hören.

Huber mochte als Startdatum der Wiederkehr den 11. September 2001 nur bedingt gelten lassen. Gerade im zurückliegenden Jahr habe es - Abschied von Papst Johannes Paul, Wahl von Papst Benedikt und dessen Besuch in Deutschland, Kirchentag in Hannover, Wiedereinweihung der Dresdner Frauenkirche - reichlich Anlass gegeben, jenseits der Stichworte Gewalt und Religion andere Formen der Wiederkehr des Religiösen wahrzunehmen. Darüber hinaus hätten Unwetter und gewaltige Katastrophen die Frage nach Gott herausgefordert. Huber: "Die Trauer über vielfachen Tod und unsagbares menschliches Leid hatte letztes Jahr besonders erschreckende Anlässe." "Sind solche Unglücksfälle ein Ausdruck von Gottes Zorn oder zeigen sie seine Ohnmacht? Sind sie Symbol dafür, dass es Gott nicht gibt, oder führen sie uns dazu, in aller Hilflosigkeit bei Gott Halt zu suchen?", zitierte der Bischof öffentliche Fragestellungen. Und gab als Antwort: "Angesichts solcher Ereignisse wird uns bewusst, dass sich der Glaube an Gottes Allmacht nicht auf eine vermeintliche Garantie des guten Ausgangs, sondern auf eine Geborgenheit in Gott richtet, die uns in guten wie in schweren Erfahrungen trägt." Der Glaube, der in den vergangenen Jahrzehnten für viele nur noch eine Deutungsperspektive weltlicher Erfahrungen gewesen sei, werde wieder in seinem transzendenten Bezug zum Thema. Und die Kirche, die mitunter nur noch als politische Akteurin und sozialethische Mahnerin erkennbar war, werde wieder als Raum für die Begegnung mit dem Heiligen wahrgenommen. Huber plädierte dafür, dass die Religionen ihre Differenzen im Glaubensverständnis in einer Weise austragen, die den Frieden nicht gefährdet sondern stärkt. Der Bischof: "Durch die Daten des 11. September 2001 in New York, des 11. März 2004 in Madrid oder des 7. Juli 2005 in London ist eine oberflächliche Vorstellung von Toleranz in eine Krise gekommen. Wechselseitige Achtung aber ist umso nötiger. Der heute nötige Dialog verbindet die Vergewisserung der eigenen Identität mit dem Bemühen um Verständigung mit anderen. Das eine wie das andere ist an der Frage nach der Wahrheit orientiert. Nach der Wahrheit aber kann man nur fragen, wenn man auch zum Streit um die Wahrheit bereit ist." Im Gespräch mit den Weltreligionen seien die Einsichten der Reformation "unverzichtbar wertvoll", hob der Referent hervor. Die Befriedung der Religionen hänge auch daran, dass "wir ein aufgeklärtes, selbstkritisches und lernbereites Verständnis von Religion nicht nur bei uns entwickeln, sondern auch von anderen einfordern." Die Trennung von Staat und Kirche, von Politik und Religion, von Zeugnis und Gewalt müsse zur Grundbedingung für jede Religion werden. Huber: "So sehr uns manche dieser Religionen auch an Glaubenskraft und Zeugnisbereitschaft überlegen sein mögen, wir müssen die Einsichten, die der christliche Glaube im Laufe seiner durchaus auch beschämenden Geschichte angesammelt hat, weitergeben." Bischof Dr. Wolfgang Huber sprach im Rahmen der von den einzelnen Kirchengemeinden der Schaumburg-Lippischen Landeskirche organisierten Vortragsreihe "Brennpunkt Zukunft". Die Reihe wird am Donnerstag, 23. Februar, mit dem von Dr. Ralph Charbonnier gehaltenen Vortrag "Die Menschenwürde ist unantastbar?" in der St. Katharinen-Kirche in Bergkirchen fortgesetzt. Am Donnerstag, 16. März, beschäftigt sich Reinhard Benhöfer in der St. Bartholomäus-Kirche in Meerbeck mit der Zukunft Afrikas.

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