weather-image
Beifallüber Beifall für Neujahrskonzert der Göttinger / Charismatischer Christoph Mueller

Fürst setzt als Dirigent treffsichere Akzente

Bückeburg. Das Göttinger Symphonie Orchester mit seinem charismatischen neuen Dirigenten Christoph Mueller ist zu einem Neujahrskonzert in den restlos besetzten Rathaussaal gekommen und hat das Publikum des gastgebenden Kulturvereins mit einem außergewöhnlichen Programm im Sturm erobert.

Inspiriert, anfeuernd, ja geradezu akrobatisch, lenkte Mueller sein mit klanglicher Delikatesse und Freude spielendes Ensemble durch Chatschaturjans "Lzeghinka" und sorgte gleich zu Beginn für fetzige, in die Beine fahrende Stimmung. Im gefühlvoll ausgeloteten Liebesrausch des "Adagios" aus dem Ballett "Spartacus und Phrygia" durfte man sich über eine knackfrische Streicherartikulation und Bläserglanz genauso freuen wie über quicklebendige Solobeiträge. Furios gelang anschließend der berühmte "Säbeltanz". Vehement und gleichermaßen präzise bündelte der temperamentvolle Stabführer dann die rhythmischen Energien in Tschaikowskys, Höhen und Tiefen der russischen Seele ausdrückendem "Slawischen Marsch b-Moll", op. 31. Mit genau konturierten Farben malte die gut gelaunte Crew später die lustige, vom Ländler bis zum Marsch pendelnde "Cirkus Polka" für einen jungen Elefanten von Strawinsky aus, um sich ferner mit Volumen und Transparenz für die Konzert-Fantasie über russische Themen von Rimskij-Korsakow zu engagieren. Power und eine Prise Rauhigkeit sind hier erwünscht, zudem aber eine Menge Feingefühl. Mit der grazilen Geigerin Mirjam Tschopp aus der Schweiz stand den "Göttingern" eine Künstlerin zur Seite, die sich fingerfertig durch die Schikanen ihres Parts arbeitete und die gewählte Originalfassung höchst virtuos zu entfesseln verstand. Die emotionale Spannweite zwischen singender Süße und Rasanz lotete die Aktrice bezwingend aus. Gleiches gilt für die bezaubernde "Introduktion et Rondo capriccioso" von Saint-Saens. Die Ouvertüre zur "Fledermaus" reißt routinierte Instrumentalisten und abgebrühte Konzertgänger normalerweise nicht von den Stühlen. Es sei denn, unerwartet steht Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe am Pult! Und genau das geschah zur Erbauung der Zuhörer nach der Pause. Agil, aber kontrolliert, die Töne modellierend und treffsichere Akzente setzend, bündelte der adlige Dirigent die rhythmischen Energien von Szene zu Szene lockerer, und das Orchester folgte ihm willig durchs symphonische Dickicht. Am Ende tobte der Saal. Recht so. Das Publikum blieb nach diesem Ereignis bestens gelaunt. Es genoss die charmante, pfiffige Moderation Christoph Muellers und eine weitere Reihe von Höhepunkten. Dazu zählten die wunderschöne Atmosphäre der Polka Mazur "Die Libelle", der "Dynamiden-Walzer" vom jüngeren Strauss-Bruder Josef sowie Busonis "Tanzwalzer". Da mögen Skeptiker greinen, dass so vielBreite auf Kosten der Tiefe gehen müsse. Weit gefehlt, denn was das Team anpackte, zog es, aktiviert von seinem mitreißenden Leiter, enthusiastisch und professionell durch. Beifall über Beifall für ein prachtvolles "Prosit Neujahr" und als Dankeschön: "Donauwalzer", "Radetzkymarsch" und - köstlich kredenzt - die "Pizzicatopolka".

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare