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Siebter Frauenkarneval mit feinen Seitenhieben auf die Männerwelt / Premiere für "Finest Diamonds"

Frauen feiern: "Wir sind nicht brav gewesen..."

Rinteln (la). "Ri-lau" - 200 närrische Frauen haben am Freitag beim 7. Rintelner Frauenkarneval den restlos ausverkauften Ratskellersaal zum Beben gebracht. Ihre bunten Kostüme konnten sich sehen lassen: Dass die Fußball-WM im eigenen Land vor der Tür steht, wurde auch dabei deutlich. Zahlreiche "Fußballerinnen" traten zumfröhlichen Treiben an, aber auch Hexen, Mönche, Gräfinnen, Clowns und Feen. Bei einigen Gruppen war klar zu erkennen, dass sie zusammengehörten, denn sie hatten für ihre Verkleidung das gleiche Motto gewählt.

"Wir sind nicht brav gewesen, man wollte uns nicht mehr - und deshalb haben wir uns vom RCV getrennt und unseren eigenen Verein gegründet", erläuterte die Präsidentin des Rintelner Frauenkarnevals, Dorothee Heidel, nachdem die neun Elfen im neuen schicken Outfit begleitet von der Prinzengarde Kalldorf in den Saal einmarschiert waren. "Frieda Fröhlich" alias Iris Messerschmidt eröffnete das Programm: "Stellt euch vor, mein Erwin hat uns ein Wasserbett gekauft und ein Schild im Schlafzimmer aufgestellt, auf dem stand: Hier toben die tosenden Wellen des Meeres. Nach vier Wochen habe ich es ausgetauscht: Hier ruht das Tote Meer." Das männliche Geschlecht stand im Mittelpunkt aller Büttenreden und wurde ordentlich auf die Schippe genommen. So auch von der Vorsitzenden des Rintelner Frauenkarnevals, Waltraut Bauer, die mit ihrem Mann Hartmut Einblick in ihr Eheleben gab: "In unserem Schlafzimmer herrscht Smogalarm - dicke Luft und kein Verkehr..." Für schwungvolle tänzerische Einlagen sorgten das ehemalige Tanzmariechen des RCV, Madlien Dana Hugo, und die Prinzengarde Kalldorf. Auch die Gäste hielt es nicht lange auf ihren Sitzen: Als Ilona Fromme einige Lieder vortrug, wurde kräftig geschunkelt, und in den Tanzpausen war auf dem Parkett kaum noch ein Fleckchen frei. Rosemarie Varenholz und Waltraut Bauer präsentierten sich in der Bütt als Klatschtanten, und Hartmut Bauer berichtete von seinen Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht. Höhepunkt des Abends war der Auftritt der Tanzgruppe "Finest Diamonds": Zwölf Rintelner Mädchen begeisterten mit Tänzen wie Bauchtanz, Tango und HipHop. Dabei wechselten sie in Windeseile ihre Kostüme, zeigten sportliche Figuren und brachten den Rhythmus der flotten Stücke eindrucksvoll auf die Bühne. Es war der erste Auftritt der Showtanzgruppe "Finest Diamonds", die unter der Regie der 17-jährigen Madlien Dana Hugo trainiert hatte. Tosender Applaus, donnernde Raketen und Karnevalsorden waren der Lohn für ihre Mühe. Von der "Rheinischen Bruderschaft", einem Männerballett aus Celle, hatten sich die Frauen sicher etwas mehr erhofft. Nicht gerade athletische Körper kamen zum Vorschein, als die sieben Männer sich ihrer Anzüge entledigten und in Radlerhosen mit freiem Oberkörper, Hawaiiketten und Badekappen über die Bühne hopsten. Trotzdem bebte der Saal und die Frauen forderten lautstark: Ausziehen, ausziehen... Dieser Wunsch blieb unerfüllt. Ohne nackte Haut kamen dagegen die "drei elastischen Tenöre" Sebastian Westphal, Ulrich Seidel und Kay Steding aus. Sie schwebten regelrecht auf der Bühne, bogen sich zu allen Seiten und "fielen" den Frauen fast zu Füßen. Ihren Trick, wie sie sich mit den Füßen auf der Bühne hielten und ihre Oberkörper locker in alle Richtungen biegen konnten, verrieten sie allerdings nicht. Den Frauen war das wohl egal, solange eine Zugabe der anderen folgte. "Ich will 'nen Cowboy als Mann", sangen die Kallenixen in Kuhfleckenkostümen und knallten dabei mit ihren Revolvern. Als gegen Mitternacht nach vier Stunden das Programm endete, waren sich alle einig: "Nächstes Jahr sind wir wieder dabei!" Es wurdeübrigens für einen guten Zweck gefeiert: Je Eintrittskarte geht ein Euro an den Kinderschutzbund.

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