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Politiker und Lehrer informieren sich in Rinteln / Mögliche Umwandlung erst zum Schuljahr 2007

Förderunterricht - oder lieber Ganztagsschule?

Obernkirchen/Rinteln (rnk).

Flexibilität, Kreativität, Phantasie und ein gewisses Maß an Belastbarkeit: Wenn in der Grundschule am Kammweg die zweite Ganztagsschule des Landkreises eingeführt werden sollte, dann würden Kinder, Eltern und Lehrer eine Aufgabe in Angriff nehmen, die nur gemeinsam geschafft werden kann. Bei einem positiven Votum für die Einführung der Ganztagsschule würde allerdings der Förderunterricht wegfallen. Der Schulausschuss und Teile des Lehrerkollegiums haben sich vorgestern in der Grundschule Rinteln Süd über die auf sie - möglicherweise - zukommenden Aufgabe informiert. Denn die Rahmenbedingungen bei der Einführung der Ganztagsschule haben sich bekanntlich geändert: Es gibt keine zusätzlichen Lehrerstunden. In der Grundschule Süd, so Schulleiter Manfred Asche, sei dies aber kein Problem,weil man vorher als "Verlässliche Grundschule" gearbeitet habe. Die Vollzeitlehrer hätten 28 oder 29 Lehrerstunden pro Woche, von denen sie 26 Stunden für die Klasse benötigen würden. Die restlichen zwei oder drei Stunden könnten sie mit in den Nachmittag nehmen. Wie lange diese Regelung nochBestand haben werde, das konnte Asche nicht sagen. Nachmittags werden die 60 bis 65 der Schulkinder, die das Angebot nutzen, jeweils zur Hälfte von Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitern - Sozialpädagogen oder Erziehern- betreut, die den Kindern schon aus der Zeit der "Verlässlichen Grundschule" bekannt sind. Das sichert nicht nur Kontinuität, sondern gibt auch Sicherheit: Die Kinder müssen sich nicht an neue Bezugspersonen gewöhnen, meinte Asche. Das dienstags, mittwochs und donnerstags offerierte Nachmittagsangebot umfasst dabei nach der Hausaufgabenbetreuung Sport, Kunst, Musik, Theater und die Nutzung des PC-Raums, dazu kommen Kooperationspartner wie die Kreisjugendmusikschule. Der Eindruck, den die Bergstädter Politiker und Lehrer aus der Grundschule mitnahmen, war durchaus positiv, wie Claus Dieter Gnad als Leiter der Grundschule am Kammweg gestern im Gespräch mit dieser Zeitung betonte. Ob in Obernkirchen allerdings die Grundschule zur Ganztagsschule umgewandelt wird, das stehe noch lange nichtfest. Da das Land keine zusätzlichen Lehrerstunden zugestehe, aber eine Ganztagsschule gerade bei der Hausaufgabenbetreuung nicht auf Lehrer verzichten könne, sei die Ganztagsschule am Kammweg nur möglich, wenn intern gekürzt würde, also Lehrerstunden aus anderen Bereichen genommen werden würden, denn den Unterricht könne man ja nicht reduzieren. Der Bereich, der dann gekürzt werden würde, wäre der Förderbereich für die Fächer Deutsch und Mathematik, dort allein könnte man die Stunden wegnehmen. Für das Lehrerkollegium stelle sich, so Gnad, daher nun eine grundsätzliche Frage: Soll die Ganztagsschule eingerichtet werden oder soll der Förderunterricht fortgesetzt werden? Eine Entscheidung, die auf der Gesamtkonferenz entschieden werden wird, zuvor wird im nächsten Monat eine Arbeitsgruppe gebildet, die ausarbeiten wird, "wie wir uns das vorstellen". Gnad betonte, dass eine mögliche Entscheidung für die Fortsetzung des Förderunterrichts nicht bedeute, dass man gegen die Ganztagsschule sei, sondern "wir nur andere Prioritäten setzen." Beides anzubieten, Ganztagsschule und Förderunterricht, das sei nicht möglich. Zurzeit ist die Frage so oder so rein akademischer Natur: Wie Gnad erklärte, werden die Förderstunden im Moment in den Kindergärten erteilt. In diesem Sommer, ist er überzeugt, würde es keine Umwandlung in eine Ganztagsschule geben: "Falls wir uns so entscheiden, wird dies wohl erst 2007 der Fall sein." Denn die Einführung der Ganztagsschule müsse zwei Voraussetzungen erfüllen: "Sie muss gut durchdacht sein und vom ganzen Kollegium getragen werden. Halbherzig macht das überhaupt keinen Sinn." Voraussetzung wären Mittel für einen Umbau, denn der Schule fehlt eine Mensa, und das Mittagessen ist, wie Rintelns Grundschulleiter Asche betonte, "unerlässlich". Und 15000 Euro müssten für die Bezahlung der pädagogischen Mitarbeiter ebenfalls pro Jahr bereit gestellt werden. Einen Tipp nahm Gnad ebenfalls von Schulleiter Asche mit auf den Weg nach Obernkirchen. Das Essensgeld auf jeden Fall wöchentlich einkassieren. Wer nur einmal im Monat zur Kasse bitte, laufe lange manchen Eltern hinterher.

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