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Drahtesel zum Taschengeldpreis / Großzügiger Auktionator auf dem Bauhof

Expertenrätsel bei Sonderauktion: Versteigerung oder Verminderung?

Bückeburg (bus). Das hätte den Protagonisten von "Geiz ist geil", von Superrabatten und Endlosschnäppchen die Neidesblässe mit Schmackes ins Gesicht getrieben: Während einer Sonderauktion des städtischen Ordnungsamts auf dem Bauhofgelände gingen Fahrräder nicht nur weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, sie wechselten den Besitzer auch zu Konditionen, die überwiegend im unteren Taschengeldbereich angesiedelt waren. Etliche Drahtesel schlugen, zum ersten, zum zweiten und - zum dritten, mit lediglich drei, zwei oder einem Euro zu Buche.

Und wenn es mit dem Bieten nicht recht vorangehen wollte, verzichtete Versteigerer Volker Kohlmeier vollends aufs Geld. Kohlmeier entpuppte sich zum Erstaunen (und zum Vergnügen) der etwa einhundert Bieter ohnehin als nicht überaus aufs Pekuniäre ausgerichteter Auktionator. Als er zum wiederholten Mal das Einstiegsgebot nach unten korrigierte, wurden Fragen nach dem eigentlichen Charakter der Veranstaltung laut. "Sind wir hier auf einer Versteigerung oder auf einerVerminderung?", wollte ein Experte in Erfahrung bringen. Kohlmeiers edelmütige Großzügigkeit war einem Umstand geschuldet, der die Schleuderpreise geradezu herausforderte. "Unsere Lagerkapazitäten sind erschöpft", erläuterte Inga Vehling, in deren Händen die finanzielle Abwicklung der Bieterwettstreite lag. Das Fundbüro sei dringend auf freien Speicherplatz angewiesen. Das Publikum schien die Notlage schnell spitz bekommen zu haben. Wurde das erste von Norman Korff und Frank Knipping präsentierte Modell noch schnell und mühelos auf 25 Euro hochgejubelt, päppelten die folgenden Gefährte den städtischen Etat um kaum mehr als jeweils fünf Euro auf. Selbst Kohlmeiers ideenreiche Anpreisungen - "vier Euro ist allein die Klingel wert", "ein farbenfrohes Designerstück", "garantiert diebstahlsicher" - verhalfen den Geboten nur selten über die 15-Euro-Marke. Auch als der Auktionator einfach nachzuvollziehende Erklärungen der Einstiegspreise nannte - "das Hinterrad hat eine Acht, also acht Euro", "das ist ein Drei-Gang-Rad, also drei Euro" - wollten sich die Portemonnaies der Steigerer nicht recht öffnen. Erst kurz vor Schluss der Auktion gab es einen Ausreißer in zu diesem Zeitpunkt nicht mehr für möglich gehaltene Barschaftregionen. "Da zeigt sich Sachverstand", lobhudelte Kohlmeier als der Hammer erst bei glatten 50 Euro fiel. Die im Vergleich des Nachmittags stolze Summe rief allerdings gleich wieder den Experten auf den Plan: "Ist das etwa mitGoldrand?" Das Auktionsteam kündigte die nächste Versteigerung für den bevorstehenden Sommer an. Obwohl lediglich fünf der insgesamt 50 Stahlrösser nicht an den Mann, respektive die Frau zu bringen waren, zeichnet sich im Lagerkeller unter der Rathausbühne erneut eine gewisse Raumnot ab.

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