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Zweifel an Gesamtpaket

Experte: Teilschlichtung könnte Bewegung bringen

Frankfurt/Main (dpa) - Im Lufthansa-Tarifkonflikt könnte nach Auffassung eines Experten die Teilschlichtung zur Lohnfrage die Fronten lockern. Es sei aus seiner Sicht sinnvoll, mit dem einfachsten Thema zu beginnen.

Das sagte der Tarifexperte des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Hagen Lesch, der Deutschen Presse-Agentur.

Derzeit gebe es zwischen den Parteien gar kein Verhandlungsklima, sagte Lesch. Vielmehr schaukele man sich gegenseitig hoch mit Klagen vor den Arbeitsgerichten, Streikverlängerungen oder dem Herausholen einer alten Schadensersatzklage. «Beide Parteien sind der Meinung, sie sind die stärkere. Solange jeder glaubt, den anderen vernichtend schlagen zu können, bekommen wir keinen Kompromiss.»

Die monatelangen Verhandlungen über ein tarifliches Gesamtpaket, das neben dem Gehalt auch die offenen Fragen zu den Betriebs- und Übergangsrenten löst, hält der Tarif-Fachmann für gescheitert. «Ich sehe nicht, dass man das Gesamtpaket hinbekommt. Das hat man ja die ganze Zeit nicht geschafft. Deshalb halte ich es für sinnvoll, dass man mal die erste Etappe nimmt, dass man sich annähert, mal die Kompromissbereitschaft des jeweils anderen erlebt.»

Von außen dränge sich der Verdacht auf, dass ständig aneinander vorbei geredet worden sei, meinte Lesch. Nun müsse eine dritte Person die Tarifkonflikte ständig begleiten, immer wieder moderieren und Zwischenergebnisse verbindlich festhalten.

Hinter dem ganzen Konflikt steht aber auch nach Leschs Meinung die harte Ablehnung der VC gegen das Eurowings-Billigkonzept, mit dem der Lufthansa-Konzern der Billigflieger-Herausforderung in Europa begegnen will. «Das Unternehmen hat natürlich das Recht zu entscheiden, wo es wächst. Nur bei einem Organisationsgrad von 90 Prozent kann ein Management nicht dauerhaft gegen die Belegschaft operieren», schätzt er die Lage ein. Auf jeden Fall seien hier die Grenzen der Schlichtung erreicht. «Der Vermittler ist natürlich machtlos, wenn Cockpit sich unter der Hand weigert, eine Unternehmensstrategie anzuerkennen.»

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