weather-image
Auf Umwegen zur Aufgabe: Johannes Dallügge (74) ist Küster in St. Sturmius

Erst Schlosser, dann Fahrlehrer - jetzt aufmerksamer Wächter über den Alta r

Rinteln. "Als Küster habe ich das Gefühl: Das ist meine Kirche. Ein Haus, das besorgt werden muss. Ein Platz, wo ich hingehöre!" Johannes Dallügge (74), eigentlich ein eher ruhiger und nüchterner Mann, zeigt doch recht deutlich, wie viel ihm seine Arbeit für die Kirche bedeutet, wie sehr es zu seinem Leben gehört, der Küster zu sein, der custos, der aufmerksame Wächter über die Angelegenheiten rund um Altar und Gottesdienst.

Es ist die katholische Kirche Sankt Sturmius mit ihren etwa 3000 Mitgliedern, in der er das Küsteramt versieht. Täglich gibt es mindestens eine Messe mit der Heiligen Kommunion, dem Abendmahl, für das Hostien und Wein bereit sein müssen. Zudem schlägt er Bibel und Lektionar an den Seiten auf, die gelesen werden sollen, und sucht die jeweils geforderten Gewänder für den Pfarrer heraus. "Hier, dieses Büchlein, das ist mein Gesetz!", sagt er und zeigt auf das so genannte "Direktorium", in dem für jeden Tag die Gottesdienstordnungen aufgeführt sind. Sein Platz während der Messe ist eine Bank im Altarraum, nahe der Tür zur Sakristei, aus der vielleicht noch etwas herbeigeholt werden muss. Niemand sonst darf in diesem Bereich sitzen. Manchmal leitet er einen Wortgottesdienst, oft assistiert er während der Kommunion und wenn er auch erst seit zehn Jahren der ehrenamtliche Küster ist, so gehört er der Sankt-Sturmius-Gemeinde doch bereits seit 35 Jahren tatkräftig an. "Ja, ich habe immer in der Diaspora gelebt, in Gegenden, wo die Katholiken die Minderheit sind, und da entstehen vielleicht die stärksten Bindungen zur Kirche." Als 13-Jähriger musste er nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie aus der westpreußischen Heimat flüchten und fand sich schließlich in Schleswig-Holstein wieder, wo er das Glück hatte, eine der damals so raren Lehrstellen zu ergattern, in einer Schlosserwerkstatt. Später dann trat er in die gerade neu gegründete Bundeswehr ein, wurde in Plön und Dörverden Schirrmeister und Fahrlehrer und kam 1970 nach Rinteln, um hier eine Stelle in der Verwaltung des Sozialamtes einzunehmen. Nur ein einziges Mal lebte er in einem katholischen Umfeld und das dann gleich ziemlich extrem. Mit etwa 20 Jahren, auf der Suche nach dem, was für ihn richtig sein könnte, trat er für vier Jahre in eine bayerische Klosterschule ein, mit dem vagen Ziel, vielleicht Diakon zu werden. "Aber das war es irgendwie nicht." Das Karge, Militärische am Klosterleben sagte ihm durchaus zu, aber es scheint, als habe er das Gefühl gehabt, in der Diaspora und abseits der täglichen Konventionen, dem besseren Katholizismus zu begegnen. "Manche sagen, es war Fügung, ich glaube ja, es waren glückliche Zufälle, aber jedenfalls war alles, was ich im Leben gemacht habe, schließlich gut dafür, als Küster zu arbeiten", sagt Johannes Dallügge: Sein handwerkliches Können ist ebenso gefragt wie das liturgische und theologische Grundwissen, die Fähigkeit, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten und ihnen zuzuhören ebenso wie zum Beispiel seine Fahrkünste, als er nämlich anfangs die Kirchenbusfahrten übernahm. Manchmal, wenn er vormittags für sich allein in der Kirche ist, um die Dinge zu ordnen, da macht er sich Gedanken darüber, ob sich jemand finden wird, der seine Nachfolge antreten kann. Im Moment ist es nämlich noch völlig ungewiss, wie es weitergeht, wenn Johannes Dallügge irgendwann seinen wohlverdienten Ruhestand in Anspruch nimmt. "Und doch, ich glaube, es wird sich für jemand anderen schon ähnlich fügen wie für mich", sagt er. "Mein eigener Weg, der war ja auch nur eine Art Umweg zu dieser Aufgabe."

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare