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Premiere für Rinteln: Bauprojekt nutzt Geothermie / Investition von 7000 Euro / Keine weitere Heizung

Erdwärme heizt das Haus - zum Nulltarif

Rinteln (crs). DieÖlpreise steigen, die Gaspreise machen es ihnen nach - Energie wird zum echten Kostenfaktor. Gerade bei Neubauprojekten spielt daher die Nutzung alternativer Energien eine immer größere Rolle.

Eine Lösung kommt tief aus der Erde: Für ein Einfamilienhaus am Semmelweisweg nutzt Architekt Wolfgang Hein vom Architekturbüro AAD aus Obernkirchen die Erdwärme als Energiequelle - Heizung zum Nulltarif. Eine Premiere für Rinteln. Geothermie heißt das Zauberwort. "Physikalisch eine ganz simple Angelegenheit", meint Hein. Das Verfahren ist nicht neu, aber durch verbesserte Umsetzung erst in den letzten Jahren rentabel geworden. Es nutzt die natürliche Wärme der Erde: Schon ab einer Tiefe von knapp anderthalb Metern hat der Erdboden einekonstante Temperatur von etwa zehn Grad, in 70 Metern Tiefe sind es 14 Grad. "Das reicht völlig aus, wichtig ist nur, dass die Temperatur konstant bleibt", sagt Hermann Klenke, Seniorchef des gleichnamigen Brunnenbau-Unternehmens aus Petershagen-Lahde, das am Semmelweisweg die Bohrungen vornimmt. Zwei Bohrungen sind es, mit je acht Zentimetern Durchmesser, 70 Meter tief. In diese Löcher werden feine Schläuche eingeführt, Dünnrohre, die mit Sole gefüllt werden - und die wiederum entzieht der Erde die Wärme. Eine Wärmepumpe bringt diese dann auf höhere Temperaturen und versorgt Fußboden- und Wandheizung des Wohnhauses mit der Wärme aus dem Erdinneren. Eine weitere Heizung wird nicht eingebaut. Praktisch ist die doppelte Nutzung der Ankopplung an die Erde: Im Winter dient die Anlage als Heizung, im Sommer als natürliche Kühlung - "dann wird der Erde die Wärme wieder zurückgegeben", sagt Wolfgang Hein. Die Mehrkosten gegenüber einer herkömmlichen Heizung beziffert Hein auf rund 7000 Euro, das entspricht dem Mehraufwand für das Bohren der beiden Löcher. Rein rechnerisch werde sich diese Investition in acht Jahren amortisiert haben, prognostiziert Hein: "Das ist mit weitem Abstand die günstigste Variante." Das ganze Haus wird energieoptimal gebaut: Im Solardach des Obergeschosses ist ein Loch, eine "Sonnenfalle". So fällt das Sonnenlicht auch ins Erdgeschoss, die inneren Bauteile erwärmen sich. Wegen der Sonne soll das Haus im Süden große Fenster haben, nach Norden hin schließt es sich immer mehr. "Damit die Wohnräume durch den Nordwind nicht auskühlen", erläutert Hein. Ein kleines Detail, das für die gesamte Energiebilanz des Hauses aber nicht unwichtig ist: Denn durch seine Lage auf einer Anhöhe am Semmelweiswegist das Haus dem Wind stark ausgesetzt. Diesem Umstand trägt auch die Form des Gesamtbaukörpers Rechnung: Der "Rumpf" des Hauses ist ein windschnittiger Kreis - "ein Versuch, den Gesamtbaukörper energetisch zu nutzen". Ihren Anteil daran haben auch die Baustoffe: Beton und Ziegel können als feste Materialien viel Energie speichern. Das begrünte Dachhält die Wärme im darunter liegenden Baukörper - und hat den Vorteil, dass über die Jahre weniger Schäden als bei anderen Flachdächern auftreten.

  • Rohr an Rohr: Bis auf eine Tiefe von 70 Metern führt das Bohrloch für die unkonventionelle Heizung. Hier montieren Thorsten Greif (l.) und Uwe Reinecke das nächste Bohrelement. Fotos: crs
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