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Einführung nur ein Baustein auf dem Weg zu mehr Kindern

"Elterngeld - ein wichtiges Signal für junge Familien"

Landkreis (ca). Vor wenigen Tagen hat das Bundeskabinett die Einführung des Elterngeldes beschlossen. Ab 1. Januar 2007 werden in der Babypause zwölf Monate lang 67 Prozent des Einkommens gezahlt. Zwei weitere Monate gibt es das Elterngeld, wenn sich auch der Vater dem Nachwuchs widmet. Die Neuerung stößt auf unterschiedliche, meist aber positive Resonanz. Klar ist jedoch, dass das Elterngeld allein nicht die Lösung ist, den Geburtenrückgang aufzuhalten.

"Es ist ein Einstieg in eine neue Sichtweise", beurteilt Undine Rosenwald-Metz das Elterngeld. Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises meint, dass das "Erziehungsgeld keine Alternative zu gut bezahlten Jobs" gewesen sei. Das Elterngeld sei langfristig gesehen eine richtige Entscheidung und Anreiz für die Elternschaft. "Ich glaube aber nicht, dass es nun zu einem Boom von Schwangerschaften kommt", meint Rosenwald-Metz. Die Gesellschaft, die von vielen Singles geprägt sei, und die Betreuungslücke nach dem Elterngeld wirkten gegen einen Anstieg der Geburtenrate. Deshalb müsse es begleitend auch strukturelle Förderung geben. Auch Reinhard May, stellvertretender Ansprechpartner der Koordinierungsstelle des Landkreises für lokale Bündnisse für Familien, sieht im Elterngeld ein "wichtiges Signal für junge Familien". Junge Frauen stünden nicht mehr so drastisch vor der Entscheidung: Beruf oder Familie. Aufgrund der höheren Zahlungen im Einzelfall rechne May sich "höhere Chancen für Familie" aus. Trotzdem dürfe das Elterngeld, das nur die frühe Phase der Elternzeit absichere, nicht die alleinige Maßnahme sein. Betreuung, Senkung der Kindertagesstättengebühren - all dies seien wichtige Maßnahmen. "Das Elterngeld ist nur ein Schritt in die richtige Richtung." Nicht nur lobende Worte findet Karin Dieckmann, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Rinteln, zum Vorhaben von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. "Einige Familien werden deutlich schlechter gestellt", bemängelt sie den Sockelbeitrag von 300 Euro, den Arbeitslose und Studenten bekommen sollen. Zudem sei das Modell stark darauf ausgerichtet, dass Eltern lediglich für ein Jahr zu Hause bleiben. "Die ersten drei Jahre sind aber absolut prägend" und die Betreuung unter Dreijähriger in relativ großen Gruppen "nicht so optimal". Es mangele an qualitativ hochwertiger Betreuung von Kleinkindern. Gut findet sie hingegen, dass das Elterngeld zur gleichmäßigeren Verteilung der familiären Aufgaben ermutige. Insgesamt würden die Familien besser gestellt. "Ich habe zwei Töchter und eine Schwiegertochter, die alle die Sorge haben, aufgrund einer Elternschaft ihren Arbeitsplatz zu verlieren", sagt Merve Neumann-Tietzer. Die Sprecherin des Stadthäger Bündnisses für Familie glaubt, dass das Elterngeld diese Sorge nicht ausräumt. Doch helfe es Eltern, das erste, wichtige Lebensjahr ihres Kindes zu erleben, ohne große finanzielle Einbußen. In Deutschland fehle ein kinderfreundliches Klima. "Daran müssen wir noch arbeiten."

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