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Berufung zahlt sich für den Angeklagten anders aus als erhofft

Eltern verprügelt: Kräftiger "Nachschlag" für den Sohn

Bückeburg (ly). Nachschlag für ein Muttersöhnchen: Der Bückeburger (45), der über Jahre seine Eltern verprügelt hatte, um den alten Leuten Geld für Autos abzupressen (wir berichteten), ist in zweiter Instanz zu einer noch härteren Strafe verurteilt worden. Im Berufungsverfahren vor dem Landgericht wurden aus den ursprünglich verhängten viereinhalb Jahren Haft jetzt fünf Jahre und vier Monate. Mit seiner Berufung hatte der Angeklagte offenbar auf Bewährung spekuliert. Entsprechend lautete der Antrag der Verteidigung.

Bewährung? Überhaupt kein Thema für den Vorsitzenden Richter Friedrich von Oertzen. "Selten hat diese Kammer ein so charakterloses Verhalten erlebt", erklärte von Oertzen. "Schlimmer kann man mit den eigenen Eltern nicht umgehen", meinte Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein. "Es verschlägt mir geradezu die Sprache." Das Verhalten des Bückeburgers sei "abgrundtief niederträchtig" gewesen. Der 45-Jährige habe die Taten "ohne Not begangen, um vor seinen Kumpeln im Autoclub besser dazustehen", so Rabe von Kühlewein. Sogar Verteidiger Michael Dombrowski sprach von einer "nicht tolerablen Schweinerei'' seines Mandanten. Im Prozess war es nur um die Spitze des Eisbergs gegangen. Im nachweislich fünf Fällen, die auch Gegenstand der Anklage waren, hatte der brutale Mann seine Eltern und dabei bevorzugt die Mutter verprügelt, damit das Paar ihm Geld für ständig wechselnde Autos gab. Tatsächlich soll der Arbeitslose, der fast sein ganzes Leben lang im elterlichen Haus gewohnt hat, innerhalb von zehn Jahren mindestens 50 Fahrzeuge verschlissen haben, stets finanziert und angemeldet von Mutter und Vater. Durch diese unstillbare Gier hat der 45-Jährige seine Eltern zudem in den finanziellen Ruin getrieben. Das Paar ist mit mehr als 80 000 Euro verschuldet. Es wird vom Bückeburger Büro der Opferhilfe betreut. "Sobald er die Treppe runterkam, haben wir gezittert", erinnerte sich die Mutter (70) vor Gericht - mit Tränen in den Augen. Denn dann war klar: Der missratene Sohn wollte Geld oder Autos. "Wenn er seinen Willen nicht kriegte, flippte er aus", so die Frau ("Ich bin total fertig"), die in einem Fall fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt worden war und aus Scham lange zu den Vorfällen geschwiegen hatte. "Ein- bis zweimal im Monat habe ich meine Prügel gekriegt. Wir konnten uns nicht wehren." Wie auch? Richter von Oertzen schätzt, dass der Angeklagte nahezu dreimal so viel Gewicht auf die Waage bringt wie seine Mutter. Auch für den Vater (72) waren "die letzten fünf Jahre die Hölle auf Erden". Im ersten Prozess vor dem Amtsgericht hatte das Muttersöhnchen versucht, alles auf seine angebliche Drogen- und Alkoholsucht zu schieben, bevor der 45-Jährige von dieser Behauptung abrückte. Im Berufungsverfahren war es dann "eine seelische Störung", so die Verteidigung, "ein Affektstau", den der "Nesthocker" nicht habe beherrschen können. "Der Angeklagte hat es faustdick hinter den Ohren", glaubt dagegen Opferanwalt Martin Hesse, der die Eltern vertritt. "Er lebte wie die Made im Speck." Das Urteil setzt sich aus zwei Strafen zusammen: einmal vier Jahre Haft, einmal 16 Monate, unter anderem wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft hatte lediglich gegen Teil eins der Entscheidung Berufung eingelegt, weshalb bei den 16 Monaten das so genannte Verschlechterungsverbot galt. Schade eigentlich. Richter von Oertzen hätte "gern auch die zweite Strafe erhöht".

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