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Die Welt zu Hause in Schaumburg: Serie zur Fußball-WM / Roberto Aragón sieht alle Gruppenspiele

Ein Tico schwärmt: "Unvergessliches Erlebnis"

Rinteln. Die sportliche Bilanz könnte besser sein. Mit null Punkten, drei Treffern und neun Gegentoren hat sich Deutschlands Gruppengegner Costa Rica nach Hause verabschiedet - allein Serbien-Montenegro hat schlechter abgeschnitten.

Es muss an der besonderen Atmosphäre dieser Weltmeisterschaft liegen, dass selbst ein eingefleischter Fußballfan aus Costa Rica der fußballerischen Misere der "Ticos" zum Trotz nur Worte allergrößter Begeisterung findet. "Das war eine außergewöhnliche, unglaubliche, unvergessliche Erfahrung", schwärmt Roberto Aragón in den höchsten Tönen. "Daran werden wir uns ein ganzes Leben lang erinnern." Über zwei Wochen lang ist Aragón mit seinem 13-jährigen Sohn Roberto jr. durch die Republik gereist. "All the way", lacht er, von Süden nach Norden, von Osten nach Westen. Über den costa-ricanischen Fußballverband hatte Aragón bereits Monate im Voraus Tickets für alle drei Gruppenspiele bekommen. Beim Eröffnungsspiel gegen die deutschen Gastgeber in München, beim zweiten Gruppenspiel gegen Ecuador in Hamburg und bei der abschließenden Partie gegen Polen in Hannover waren Roberto und Roberto live im Stadion dabei. Im Pulk einer insgesamt 50-köpfigen Gruppe aus Costa Rica, die alle "WM pauschal"gebucht hatten. Es ist Aragóns erste Urlaubsreise durch Deutschland. Beruflich kommt der Costa-Ricaner schon seit über zwölf Jahren regelmäßig nach Rinteln: Aragón ist Geschäftsführer des Wesergold-Tochterunternehmens "Suco Citro" in San José, "business trips" zur Hartinger-Zentrale in Exten stehen zwei- bis dreimalim Jahr an. Deswegen kennt Aragón Deutschland und seine Menschen. Und trotzdem ist er überrascht, wie "exceptionally friendly", wie außergewöhnlich nett und freundlich sich die Deutschen zur Weltmeisterschaft präsentieren. Begeistert ist der Mittelamerikaner auch von der reibungslosen Organisation ("spotless, perfect, excellent"), der Sicherheit in den Stadien und auf den Straßen, der unglaublichen Stimmung bei den Fan-Festen. Nur die sportlichen Leistungen seiner Mannschaft, nun ja. "Wir haben nicht wirklich gut gespielt", räumt der Costa-Ricaner ein. Nach 1990 und 2002 hat sich das 4-Millionen-Einwohner-Land in diesem Jahr zum dritten Mal für eine WM-Endrunde qualifiziert. An den sensationellen Erfolg beim Einzug ins Achtelfinale 1990 und dieüberzeugenden Leistungen vor vier Jahren, als das Team trotz der erkämpften vier Punkte nur wegen des schlechteren Torverhältnisses der Türkei den zweiten Gruppenplatz überlassen musste, konnten die "Ticos" in diesem Jahr nicht anknüpfen. Vor allem das Spiel gegen Ecuador hat Aragón enttäuscht. "Die richtige Einstellung hat gefehlt, die Mannschaft hat nicht genug gekämpft", bedauert er. Gut gefallen hat ihm hingegen das Auftaktspiel gegen Deutschland, als er mit seinem Sohn die zwei Treffer des Paulo Wanchope bejubeln durfte. "Das war ein gutes, ein interessantes Spiel", sagt er - trotz der 2:4-Niederlage. Die Fußball-Begeisterung des Roberto Aragón kommt nicht von ungefähr. Fußball ist in Costa Rica Nationalsport, "a very big deal". In jedem noch so kleinen Bergdorf der Kordilleren, in jedem winzigen Flecken an der Karibikküste darf der dörfliche Fußballplatz genauso wenig fehlen wie die katholische Kirche. Auch Roberto jr., jüngstes von drei Kindern, spielt mit Leidenschaft Fußball im Verein. "Hier in Deutschland kann er sich vielleicht von den Profis ein paar Tricks abschauen", schmunzelt Roberto senior. Und noch etwas kann sich der junge Costa-Ricaner der Einschätzung seines Vaters zufolge hier abgucken: Die unerwartete und beinahe schon selbstverständliche Leichtigkeit, mit der die Deutschen das selbst gewählte Motto dieser WM umgesetzt haben. "A time to make friends - das ist hier wahr geworden." Besser kann eine persönliche Bilanz nicht ausfallen.

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